2000

 

gabriele weis  /  friedenshindernis:

 

phobische menschen- und weltbilder

 

menschen können einander extrem schaden  -  und sie tun es weltweit mehr als genug.

 

aber nicht, daß sie das tun und darüber in konflikte geraten, bildet wieder und wieder das größte friedenshindernis:

 

den schritt zum krieg gehen wir und den schritt aus dem krieg heraus finden wir so schwer, weil wir mit unangemessenen deutungen der bedrohlichkeit unserer widersacher operieren...

denn wir alle vermögen unsere wechselseitige tötungshemmung einzig durch die behauptung immenser unterschiede zwischen uns und jenen zu überwinden, die uns oder die wir bekämpfen wollen...

meine these:

diese immensen unterschiede gibt es nicht.

 

spätestens wenn wir uns in feindschaft verstrickt haben, nennen alle die gewalttaten ihrer gegner ´greueltaten´, ihre eigenen aber ´befreiungstaten´.

dabei nehmen und versehren die einen wie die anderen leben.  -  wer von beiden mehr als der andere, das läßt sich dann nie mehr redlich auseinanderdividieren.

 

auch:  kein konflikt, in dem nicht jede seite, ihre interessen, ihre eigenart, ihre handlungen und ihren anteil an der jeweiligen konflikt-eskalation für kulturell und moralisch hochstehender und berechtigter hielte und verkündete als die der anderen.

und:  kein in kriegerische aktivitäten hinein eskalierter konflikt, in dem die akteure nicht wechselseitig für den fall von sieg bzw. niederlage wohl und wehe ganzer kulturkreise, am besten gar der ganzen welt für betroffen erklärten...

bei allen differenzierungserfordernissen gilt es jedoch zu bedenken:

´die guten´ und ´die´ bösen, die ´retter´ und die ´verderber´  -  sie gibt es nie!

 

kein mensch und kein volk auf dieser erde, der bzw. das nicht u.a. hochaktuell sein stück dreck an seinem stecken hätte  -  neben den produktiven und befreienden kulturleistungen, die ihm immer auch gelingen!

 

nur der radikale scheuklappenblick auf greueltaten und aberwitzige kriegsparolen ermöglicht jene dämonisierung der gegenseite, ...

...ohne die es   - sogenannt rational -  so etwas wie ein angebliches tötungs-, also kriegführungs-´recht´ (mit den angezielten zentral- und den in kauf genommenen kollateralschäden) nicht geben kann...

...und ohne die es  - sogenannt emotional -  jene furchtsteigerungen nicht geben wird, die zum einsatz auch äußerster gewaltmittel bereit machen!

ich nenne die neigung und bereitschaft, insbesondere auf längerfristige bedrohungen mit solchen extremen ausblendungen zu reagieren, phobisch...

...und ich sehe in unserer bereitschaft zu phobischen reaktionen eines der zentralsten friedenshindernisse...

woher aber kommt diese neigung?

ist sie etwa unmittelbarer und also nicht weiter zu hinterfragender ausfluß eines genetischen programms, das uns in situationen zwischen tod und leben das überleben sichert  -  und sonst nichts?

ja, sind längerfristige bedrohungen so einfach situationen zwischen tod und leben?

 

meine these:

ausblendungen, um hochkonzentriert eine bestimmte aktivität auszuführen (u.a. auch abwehr- und angriffshandlungen) gehören zu unser aller täglichem operationsbesteck.

ausblendungen im kontext so oder so entwickelter phobien allerdings führen zu immenser lähmung oder blindwütigkeit.

 

die geistige wurzel alles phobischen in meinen augen: extremer wechselseitiger argwohn.

er entsteht, sobald wir unsere wechselseitigen teilwahrnehmungen vermittels einer ´gut-böse-brille´ vornehmen.

wir erzeugen dann etwas grundlegend anderes als operationale ausblendungen:  

wir erzeugen phobische verblendungen...

... mit schlimmsten psychischen und physischen auswirkungen!

 

 

noch einmal deshalb:

menschen können einander extrem schaden  -  und sie tun es weltweit mehr als genug.

 

was sie dazu veranlaßt, reicht von bloßer egozentrik und fahrlässiger risikofreude über allerlei machtwünsche bis hin zu wechselseitigen gerechtigkeitsansprüchen.

niemand, der sich nicht zwischen all diesen verhaltens-motiven bewegte.

---  aber böswillig?  gar grundlegend bösartig? ´teuflisch´ u.u.?  -  und auf der gegenseite:  so etwas wie primär gutwillig?  gutmenschlich?  ´zivilisiert´?  ´ergeben in den willen gottes´,  ´seine werke verrichtend´...?

---  das gar in unaufhebbar existentiellen antagonismen:  also wieder und wieder fundamental auf wechselseitige verfolgung und bekämpfung verwiesen?

 

---  doch wohl eher in allem immer nur mehr oder minder eines:  kurzsichtig!

-  im wohl wie im wehe, das wir einander bereiten!  -

...wieder und wieder wechselseitig not-wendig zudem ganz offenbar...

 

 

wir alle ängstigen uns zurecht vor den schädigenden auswirkungen unserer wechselseitigen kurzsichtigkeiten, also voreinander.

 

was aber gewinnen wir, wenn wir unseren schädigern böswilligkeit, ja bösartigkeit statt einfacher kurzsichtigkeit unterstellen ?

doch nichts als die angebliche berechtigung zu eigener unbarmherzigkeit und skrupellosigkeit in der wahl unserer gegenmittel...

 

und welchen preis zahlen wir, wenn wir so ansetzen?

jenen der blindheit...

jenen nur scheinbarer aktionsfähigkeit...

jenen allseitiger versehrung...

...denn wir ängstigen uns auf diese weise nicht mehr vor unseresgleichen, sondern vor so oder so dämonisierten ´wesen´, angeblich abgrund-anders als wir selbst, uns angeblich unbegreiflich und in ihrem unrechts-bereit gegen uns gerichteten zerstörungswillen keiner irgendwie sorgenden wahr-nehmung, sondern aller bekämpfung wert!?!

 

was meinen wir denn mit unserer rede von ´gut´ und ´böse´? von ´gutartig-´ oder ´-willig-´´,  ´bösartig-´ oder ´-willig-keit´?

wir unterstellen ein grundlegend antagonistisches weltgesetz, das alles, insbesondere unsere menschenwelt, permanent in ideell-moralische (und untrennbar mit diesen verwoben auch materielle) kampfstellungen hineindränge.

´aufgeklärt´ formuliert: ´humanität´ oder ´religiös´ gesprochen: ´seelenheil´ erwürben wir uns nur als kämpfer für das  oder die ´gute/n´ und als bekämpfer des bzw. der ´bösen´.

 

auch manche biologisten unter uns bedienen die hier skizzierte antagonismus-vorstellung, wenn auch mit anderen akzenten:  art-erhaltend und die evolution befördernd agierten wir nur, wenn wir unseren selbstbehauptungsinstinkten folgend unsere dualistisch strukturierten begabungen konsequent kämpferisch ins feld führten  -  wir könnten auch gar nicht anders...

und die ´sozialdarwinisten´ aller couleur postulierten und postulieren gar den ständigen kampf aller gegen alle als potentiell evolutives oder auch nur grausames weltgesetz   -   zugunsten einer selbstbehauptung/eines siegs des oder der ´starken´...  bzw. zu lasten des persönlichen oder gar des weltuntergangs..., wobei keineswegs die starken rivalen als die gefährlichsten gelten, sondern gerade die schwachen, deren geheime stärke in der schwächung der starken liege, weshalb sie anders als die starken kein ´recht´ für sich hätten, denn nur stärke gewährleiste existenz...

wer so oder so oder so ansetzt, muß vor seiner eigenen ´nacktheit´ erschrecken, wie es die biblische genesis den drei ´buchreligionen´ (judentum, christentum, islam) so eindrücklich vor augen stellt!

und er muß sein fühlen, denken und handeln in den kategorien von ´mühsal´ und ´tod´ gefangensetzen!

 

 

das bestreben, uns unserer schädiger zu erwehren, gehört mit sicherheit zu unser aller natürlicher ausstattung:

wir agieren es aus...

...als unmittelbare notwehr  (-  so gut wie nie gegeben!)...

...als gewaltsam-kämpferisch auf sieg oder niederlage zielende konfliktaustragung  (-  wo immer wir uns mehr oder minder umfassend existenziell bedrängt sehen bzw. die geduld verlieren)...

...als handel um mehr oder minder verläßliche abreden  (-  bis uns die geduld ausgeht)...

...als bewußt selbstreflektorisches bemühen um die abhilfen, für die wir selbst sorgen können  -  unabhängig davon, ob ein gegner mitzieht  (-  in angestauten konfliktsituationen eher selten, denn die untaten derer, die uns bedrohen, übertreffen unsere eigenen ja immer!?!)...

 

nun beruhen die konflikte, die wir untereinander haben, selbstredend auf tatsächlichen wie phantasierten wechselseitigen schädigungen:  des einen vorteil ist nicht selten des anderen nachteil oder scheint es zu sein.

wir alle hantieren mit eher klein gehaltenen teilzielen und teilerklärungen, solange nicht allzu sehr klemmt, wodurch wir in unserem wechselseitigen vorteilsstreben andere bedrängen.

 

belassen wir es jedoch im falle angestauter spannungen bei diesem verfahren und verschärfen unsere konflikte gar, indem wir auf wohlfeile moralisierungen zurückgreifen, verzerren sich unsere perspektiven notgedrungen ins völlig unangemessene  -  spätestens, wenn es zu ein- oder gar wechsel-seitigen kampfansagen und -handlungen kommt, wachsen nahezu regelmäßig die üblichen kurzsichtigkeiten noch einmal auf allen seiten.  

nicht selten können wir dann angeblich nur noch eines:  kämpfen...

  -  um das ´gute´, für das selbstredend wir stehen, nicht untergehen zu lassen.  denn unser jeweiliger interessen-rivale hat sich mit seinen kampfansagen und -handlungen schließlich als feind entlarvt, dessen abgründige, weil in ´zutiefst bösen´ weltanschauungen gründende und keine hemmungen mehr gelten lassende, gefährlichkeit wir nur allzu lange übersehen oder geduldet haben!?!  und unsere niederlage statt der niederlage unserer feinde bedeutete ´natürlich´ einen weiteren ´sieg des bösen in der welt´!?!  von unserem sieg allein dagegen profitierte diese welt im sinne wachsender humanität oder gottgefälligkeit!?!

---  ganz entsprechend verfahren wir aktuell:

gegen den gegenwärtigen global-terror in seiner furchterregenden maßlosigkeit erheben wir den ´kampf´ auf möglichst vielen ebenen zur fraglos unverzichtbaren kulturantwort.  -  es gehe um die verteidigung der christlich-aufgeklärten ´werte der zivilisierten welt´...

wir erklären diesen terror zu einer jener ´geißeln der menschheit´, von deren weitgehender u.a. auch kriegerischer ´ausrottung´ die zu rettende menschenwürde der gesamten menschheit abhänge...

 

  daß wir daneben auch noch flankierende stabilitätspakte mit allerlei zwangsbeglückungsangeboten für jene weltregionen ins auge fassen, in denen dieser terror sein spezifisches ursachen- und aktionsfeld hat...

...bleibt leider vorrangig den gut-böse-horizonten verschrieben, aus denen heraus wir auch die kriegerische karte zu spielen begonnen haben  -  nicht das erste mal übrigens! - und nicht das erste mal mit mehr als fragwürdigem ´erfolg´!

...

und ganz entsprechend agieren auch die mittlerweile mit kriegerischem anspruch und aktivismus auftretenden global-terroristen - den mehr als hundertjährigen kulturdominanz- und minderberechtigungs-konflikt zwischen europa/usa und afro-asiatischer islamischer welt mit einem paukenschlag auf eine möglichst kriegsträchtige ebene katapultierend: 

 es gehe um den inneren wie äußeren, ja weltweiten ´kampf´ gegen die verderbten ungläubigen, ohne deren beherrschenden einfluß der islamische kulturkreis sich zweifelsohne der ihm wie allah zukommenden blüte erfreute!?!    -   ohne radikale, auf ´reinigende´ zwangsmaßnahmen setzende rückbesinnung auf die fundamentalen  ´werte´ des islam werde man nicht siegen  ---

 

 hybrider und zugleich beschränkter, vor allem aber phobischer kann man mit dem phänomen menschlicher begrenztheit, irrtumsanfälligkeit und -befangenheit sowie den sich daran fallweise knüpfenden greueltaten kaum umgehen!

 

hybrid:  denn welche anmaßung liegt darin, selbstbehauptung, ja vorteilsverteidigung oder -erwerb auszugeben als alles entscheidenden beitrag zu wohlergehen oder verderbnis der welt!

beschränkt:  denn ausblendender, unsensibler, unbarmherziger und verlogener kann man kein ´recht´ auf die bekämpfung von menschen etablieren, mit denen man in konflikt geraten ist.

phobisch:  denn wozu führt die allseitige hybris in so akzentuierten kampf-konstellationen als zu irrational aufgeblasener angst  -  mit der folge entweder immer vollständigeren gelähmtseins oder aber durch nichts mehr infrage zu stellenden aktionistischen selbstbehauptungsgebahrens...?

 

gibt es überhaupt etwas hybrid-kurzsichtigeres als die etablierung des glaubens, man dürfe, ja müsse andere zum sogenannt ´guten´ zwingen, ´gutes´ notfalls mit waffengewalt durchsetzen?

 

was das ´gute´ jeweils sei, darüber gehen schließlich die meinungen nicht nur zwangsläufig auseinander;  

´das gute´ ist uns menschen auch schlechterdings nicht eindeutig erkennbar, noch dazu allen gleichzeitig zum zeitpunkt x!  

-  in der weise, wie wir es uns vorstellen, existiert es ja wohl auch nicht  ---  auch darüber belehrt die buchreligions-orientierten das schon erwähnte genesis-kapitel!

die größten übel, die menschen einander zu bereiten vermögen, entstehen durchweg aus ihren angeblich immer irgendwie gerechtfertigten erzwingungsansprüchen und -praktiken!

 

denn daß der ´gute´ zweck die mittel heilige, ohne deren einsatz ersterer zuweilen nicht erreicht werden könne:  diese these gehört weiß-gott zu den kurz-beinigsten aller lügen!  

-  ihr unausweichliches resultat war und ist noch jedes mal:  mehr oder minder immenses unrecht...

schließlich wissen alle um die unwahrheit dieser behauptung:   eine entsprechende argumentation auf seiten unserer widersacher ist uns in ihrem verlogenheitsgehalt nahezu immer sofort fraglos erkennbar... -  wo wir selbst ganz genauso argumentieren, verhält es sich selbstverständlich vollkommen anders!?!

nichts ´heiligt´ oder ´legitimiert´ unser aller zeitweilige entschlossenheit zu mehr oder minder bedenkenlosem gewalteinsatz  -  am wenigsten unsere behauptung, wir verföchten das ´gute´ gegen das ´böse´, oder auch nur:  wir erfüllten unsere hilfspflichten.

mit solcher entschlossenheit erfüllen wir zwar alle zuweilen einen teil unserer begrenztheit.

aber haben wir wirklich bereits ein ´recht´, wo wir nichts besseres wissen, nicht anders zu können glauben?

wenn uns unsere prinzipielle rechtlosigkeit in fragen dieser oder jener form von gewaltanwendung den schlaf raubt, weil wir nicht nur ausgewählten menschen unsere sorge schulden, sondern allen, mit denen wir es so oder so zu tun haben (wie sie uns), ist das doch genau das, was wir brauchen, um uns auf die suche nach den richtigeren wegen gedrängt zu fühlen! 

reden wir uns und anderen doch nicht ein, die rechte ´unschuldiger´ mitmenschen auf leben, unversehrtheit und freie entfaltung bedürften unserer notfalls machtvoll-gewaltbereiten verteidigung gegen ´böse´ andere!

es gibt kein schutzabsichten verfolgendes gruppen-droh- und kampf-spiel gegen ´böse´ rechtsverletzer, das die zahl solcher rechtsverletzungen nicht erst einmal potenzierte  -  zugunsten einer vielleicht (!) besseren zukunft.

damit kann es kein recht auf eine solche verteidigung eines rechtes geben.  nur den verständlichen wunsch.

rechte werden wahrgenommen und gelebt - oder ausgeblendet und unterdrückt.  

wo sie ´durchgesetzt´ werden (sollen), geht das nur um den preis  neuer unterdrückung.

wahrnehmbar und anziehend gegen alle ausblendungen werden sie am besten dadurch, daß sie gelebt werden - vorbehaltlos und unbeirrt...

uns menschen kennzeichnet neben vielem anderen gleichermaßen der wunsch, einander helfen wie einander im extremfall auch bekämpfen zu wollen.

der bekämpfungswunsch allemal, aber zuweilen auch unser hilfswunsch verrät so manches von unserer neigung zur arroganz, zu angemaßter überlegenheit  -  von unserer höllenangst also vor ansehens- und selbstvertrauens-mindernder hilflosigkeit...

unser rüstzeug gegen diese angst:  ein alles vordergründig ordnender verurteilungswille, den wir meinen aus unserer beurteilungsfähigkeit ableiten zu dürfen...

nur jedoch wer sich dieser angst stellt, sie ohne gegenwehr mit dem mut zu den eigenen grenzen auszuhalten bereit ist, etabliert sich selbst nicht ständig neu als friedenshindernis.

wir haben keinen besseren lehrmeister hinsichtlich unserer grenzen und möglichkeiten als diese angst davor, unsere eigene wie die not anderer nicht hinreichend wenden zu können...

denn immer ist es unsere angst, die uns zu suchenden macht nach dem, was hilft...

und immer ist es unsere rüstungs-versessene anmaßung, die die not, um deren behebung es uns geht, sogar noch anschwellen läßt...

wann immer es uns folglich gelingt, uns mit unser aller ohnmacht auszusöhnen, gewinnen wir uns selbst und einander etwas von jenem frieden, der auf allen seiten phobien zu lösen und neue perspektiven in den blick geraten zu lassen vermag...

denn das wirkgefüge alles existenten versteift und verdüstert sich immer grundlegend unter unserem machtstreben...

... und es flexibilisiert und erhellt sich jedesmal, wo wir den raum, den einer sich nimmt, u.u. zwar infrage zu stellen haben, aber nicht machtvoll einschränkend bestimmen wollen...

 

frieden nämlich  (im unterschied zu ´befriedung´)  -  hält oder schafft nur, wer ein minimum an entschiedener gleichrangigkeit auch und gerade mit seinen widersachern, ja seinen feinden zu leben bereit ist.

 

dazu gehören:

-  der bewußt demütige verzicht auf wechselseitige demütigende verurteilungen...

-  die beschränkung auf ein denkbar sorgsames beurteilen-, also verstehen-wollen der jeweiligen ursache-wirkungszusammenhänge  -  jenseits billiger vorwürfe, konzentriert auf vorhaltungen, die raum eröffnen für kurskorrekturen, indem sie einem widersacher solche korrekturen weniger zumuten (das freilich sicherlich auch!)  als zutrauen (ebenso wie sich selbst)...  

-  die jeweils unmittelbare bereitschaft zu problembezogen eigenen verhaltens-läuterungen  -  unabhängig vom tun und lassen anderer... 

-  und der nachdenklich-redliche umgang mit hilfsbegehren, die so oder so bedrängte an uns richten...

 

wir alle sind in dem maße produzenten unseres wechselseitigen schreckens, wie wir diesen schrecken in einander hineinlesen...

 

wissen wir wirklich nicht, wie sehr wir uns selbst und einander kränken, indem wir das tun?

und wissen wir wirklich nicht, zu welchen greueltaten wir uns ebenso selbst wie wechselseitig berufen, indem wir mit solchen kränkungen operieren?

ja mehr noch:

wissen wir tatsächlich nicht, daß nur der den blick für andere wege frei bekommt als diejenigen blinder gewalttätigkeit, dessen kränkung wir zurücknehmen oder ausgleichen und durch neue grundlegende achtung ersetzen, sowie der, der sich ggf. auch ganz von sich aus innerlich noch anders zu sehen vermag, denn als gekränkt?

 

 

 

wenn wir uns also selbst zu schützen haben gegen u.u. in extremem umfang tödliche übergriffe anderer, besinnen wir uns darauf:

 

...daß wir alle einander gleichen in unserer geistig-seelischen armut wie in unserem entsprechenden reichtum, in den greueltaten, die wir uns zeitweilig anmaßen, wie in den wohltaten, die wir einander zuwenden  -  egal wie zeitversetzt wir einander ggf. vorwiegend über unsere fratzen begegnen...

und besinnen wir uns darauf:

...daß ohne tiefe kränkung kein mensch die hand gegen seinesgleichen erhebt! -

-  daß also heilung ins zentrum unserer sorge auch und gerade um uns selbst gehört!  

-  -  -  nicht verfolgung, bestrafung und ausmerzung  -  allenfalls schützender freiheitsentzug - - - 

 

/  heilung, die sich ereignet über:  der ebenso freien wie sichtbaren rücknahme und dem ersatz allzu lange bedenkenlos ausagierter kränkungen durch ein neues achtungs- und gleichberechtigungs-verhalten 

und heilung, die uns selbst zuwächst über:  unser eigenes inneres freiwerden vom starren auf die kränkungen und verletzungen, die andere uns zugefügt haben  /

 

und wenn wir ernsthaft helfen wollen, wo menschen durch andere bedrängt werden, fragen wir nach den kränkungen hinter den da ins werk gesetzten gewalttätigkeiten und leisten wir jenen teil von zurücknahme bzw. ausgleich, den wir schulden - vorbehaltlos, unaufgefordert, unübersehbar zeichenhaft und überdies redlich und wohl adressiert!

formulieren wir unsere gleichzeitigen notwendigen infragestellungen des unrechts, auf das wir selbstredend zu reagieren haben, nicht so, als hätten nicht auch wir uns um unrecht zu kümmern, das u.a. aktuell von uns ausgeht!  und vor allem: kritisieren wir andere nicht ohne sichtbare ansätze bei den fälligen eigenen kurskorrekturen!

und bedenken wir:  was wir an hunger-, flüchtlings- und (re)organisationshilfe geben wollen, verschärft nur dann die gegebenen problemlagen nicht weiter, wenn es weder die akuten unrechtstäter noch deren opfer entmündigt  -  um möglichst machtvoller effektivitäten willen, die wir uns wünschen und nur so und nicht anders vorzustellen vermögen...