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gw/ Beitrags-Chronologie
 
  Interview, 6.9.:

//H :  

Was mich am Montag sehr gefreut hat, war, dass über 60000 Menschen in Chemnitz waren, um zu zeigen, die große Mehrheit der Menschen in Chemnitz sind demokratisch, die große Mehrheit der Menschen in Chemnitz sind human, die große Mehrheit der Menschen in Chemnitz stellen sich den Rechtsradikalen entgegen.  Umso entsetzlicher sind die Reaktionen des sächsischen Ministerpräsidenten, der immer noch nicht verstanden hat, wo die Probleme liegen, auch die Bundesregierung hat in Teilen nicht verstanden, wo die Probleme liegen.  Was es jetzt gilt, ist, den Kampf gegen die Rechtsradikalen wirklich aufzunehmen. Dazu muss man dafür sorgen, dass die Sicherheitsorgane wirklich in ihrer Gesamtheit (weite Teile der Sicherheitsorgane funktionieren), aber in ihrer Gesamtheit funktionieren, man muss dafür sorgen, dass rechtzeitige Präventionsarbeit stattfindet und man muss dafür sorgen, dass CDU und CSU sich nicht in kleinlichen Streits verlieren und am Ende damit nur den Rechtsradikalen nützen, sondern die Probleme wirklich angehen. (???!!!) Und die Probleme wirklich angehen heißt: genug Geld für Prävention, klassisch die Probleme anzugehen, heißt, gute Politik zu machen, ausreichend Wohnungsbau, ausreichend dafür zu sorgen, dass die Mieten nicht weiter explodieren, und dafür zu sorgen, dass sowas wie in Sachsen nie wieder passiert (???!!!), dass Polizei und Inlandsgeheimdienst nicht mehr zu solchen Fehleinschätzungen kommen, dass wenn Rechtsradikale aufmarschieren, die Polizei da ist und das schlichtweg verhindert, nämlich: Rechtsradikale brauchen harte Gesetze und klare Polizeimaßnahmen, und dann wird man mit denen auch locker fertig.  Was sie nicht brauchen, sind Ministerpräsidenten, die nicht in der Lage sind, die Probleme anzuerkennen und zu bekämpfen.



G-E: 

Probleme wegzureden, ist hochgefährlich. Wir hatten das in Deutschland schon einmal, dass andere Schuld waren. Damals waren´s die Juden, damals waren´s die Kommunisten, damals waren´s die Homosexuellen. Jetzt haben wir einen Innenminister, der wieder findet, andere wären Schuld, statt selbst Verantwortung zu übernehmen. 

Ich kann nur sagen: Die Mutter aller Probleme sind in dieser Frage, Ignoranz, Rassismus und Spalterei. Und Problem ist, dass der Bundesinnenminister, der die Probleme nicht erkennen und nicht beaarbeiten will, und ein Ministerpräsident, der sie ignoriert und wegredet. Wenn das passiert, leben wir in Deutschland in einer wirklich gefährlichen Zeit und dann leben wir an einem Kipppunkt.  Und deswegen sage ich an die Adresse des Bundesinnenministers, des Bundesheimatministers: Das geht nicht. Probleme müssen erkannt und angepackt werden. Es geht darum, dass dieses Land zusammenbleibt, dass die Spalterei aufhört und dass das Abschieben realer Probleme auf diejenigen, die sich am wenigsten wehren können, aufhört:  das sind die Migrantinnen und Migranten, das ist absurd. Das hat mit Chemnitz nichts zu tun und das hat mit der Lebensrealität in unserem Land auch nichts zu tun und deswegen, Herr Seehofer, besinnen Sie sich, und zwar sehr schnell, denn es ist Ihre Aufgabe, Verantwortung zu übernehmen.

 
7.9.2018  gw/  off. Brief an Frau GÖRING-ECKARDT  &  Herrn HOFREITER
 
Von: Selbst <gabrieleweis@web.de>
An: anton.hofreiter@bundestag.de
Betreff: Interview von 6.9. 
Von: Selbst <gabrieleweis@web.de>
An: katrin.goering-eckardt@bundestag.de
Betreff: Ihr Interview am 6.9.2018 - tagesschau
   
   
Sehr geehrter Herr Hofreiter,


anlässlich des gestern (6.9.) ausgestrahlten Interviews mit Ihnen und Frau Göring-Eckart, möchte auch Sie um ein neues Nachdenken bitten:


Was macht intellektuell redliche Äußerungen aus ?


Schauen Sie sich Ihre Worte und die Denkweise, die aus Ihnen spricht einmal daraufhin an:

Sie arbeiten mit Folgerungen die diesen Namen nicht verdienen...

Und mit erschreckend Auftretenden und Handelnden wollen sie ´fertig werden´  -  und das als Grüner, als Demokrat, dem die menschliche Würde auch seiner Gegner  als  ´unantastbar´ gilt ???



Bitte, bitte, gehen Sie auch den Umgang mit ausgewiesenen und gewaltbereiten Nichtdemokraten mit anderem Respekt und auf Gedeihlichkeit bedacht an !


Diese wie ihre Antipoden auf der extremen Linken fallen nicht vom Himmel...
Sie sind   u n s e r  a l l e r  Spiegel !



Im übrigen gilt das, was ich heute Nacht an Frau Göring-Eckart geschrieben habe - Sie finden beide offenen Briefe auf meiner Website dokumentiert:

http://buergerbeteiligung-neu-etablieren.de//POLITISCHES/M/offBrief%20an%20goering-eckart-chemnitz.html

(vgl etwa auch: 
http://buergerbeteiligung-neu-etablieren.de//POLITISCHES/M/no-hype.html)




Beste Grüße

Gabriele Weis 


 
Sehr geehrte Frau Göring-Eckardt,


anlässlich des gestern (6.9.) ausgestrahlten Interviews mit Ihnen und Herrn Hofreiter, möchte ich Sie im Besonderen, aber mit Ihnen im Grunde sämtliche Polit-Akteur/innen, dringend bitten, einmal ernsthaft über Folgendes nachzudenken:

Wie viel   t r ä g t   wohl die von Ihnen allen tagtäglich gepflegte Praxis b e i  zu eben jenen Spaltungsprozessen, die Sie CDU/CSU wie ´den Rechten´... so reichlich zum Vorwurf machen... ?! ---

--- die Praxis der mehr oder minder ´zutiefst´ verurteilenden Anprangerung der Haltungen von Menschen und Gruppierungen ...  , die anderes wollen und anders agieren, als (in Ihren Augen und darüber hinaus) wünschenswert und akzeptabel...   

Hören Sie sich einmal wirklich selbst zu - und lassen Sie den Schauder zu, der für möglicherweise nicht wenige von solchen  Statements ausgeht ...


Wenn alle so agieren  - und sie tun das leider zunehmend -  kann die Wechselwirkung nur allseitige Verrohung sein...

... entsprechend war ja auch auf Seiten der ~60000 ´Wir sind mehr´- GEGEN-Demonstranten bzw der Liedtexte, die dort  massenhaft mit-skandiert wurden, reichlich Entsetzliches zu hören und zu sehen ...


Wo Sie, Frau Göring-Eckardt, ja auch der Bundespräsident (!), in der jeweils geäußerten Weise  ´Haltung´ und ´Zusammenstehen´  ´gegen´ & ´für´ im Sinne eines ´Wir-sind-mehr`einfordern (auch Sie arbeiten dabei ja mit Ängsten und dem Pranger ),  da entgleist Verhalten ... !

... wie umgekehrt auf Seiten derer, die mit mehr oder minder rechter Grobschlächtigkeit und lautstarkem bis gewalttätigen Einschüchterunggebaren auf Fremden-Angst  & Elitenhass setzen, um unser System ins bewusst Undemokratische zu kippen ... !


Mir graust wie Ihnen vor dem, was da und in welchen Formen von rechts außen auf die Straße getragen wird.

Mir graust aber gleichzeitig nicht wenig, wenn ich die wachsende Bereitschaft zum rundum unangemessenen und restlos unfruchtbaren Hype sehe: 

Die Hamburger Ereignisse etwa hatten eine extrem zerstörerisch ausgerichtete Qualität.
Die aktuellen Chemnitzer Ereignisse haben auch nicht entfernt Vergleichbares gezeitigt !
Im Umgang mit Beidem stellen sich nun überdimensional viele nahezu auf dem Kopf!

Wahrnehmungs-Verschrägungen ohne Ende !


Verhalten entsteht aus Wechselwirkungen, die sich situationsbedingt hochzuschaukeln pflegen...

Also ist es geboten, nicht den bösen anderen, sondern sich selbst ins Auge zu fassen:

Wenn Menschen sich in Rassismen und Faschismen, sowie einfache bis mafiose Kriminalität etwa versteigen, tun sie das doch nicht  - und sogar in zunehmend beängstigendem Maße -  ohne dass der andere Gesellschaftteil, der Vergleichbares unbedingt vermieden sehen möchte, daran seinen nicht eben geringen Anteil hätte ...! !
Da fällt doch nichts einfach vom Himmel !

Es hat mit uns allen zu tun, wie groß und skrupellos die Gruppen jener mittlerweile geworden sind, die sich rechts wie links außen wenig Besseres mehr vorstellen können für ihr Leben und ihre soziale Position, als dreinzuschlagen  -  in Hamburg vor Monaten noch weit weit anders als jetzt in Chemnitz !!!

Von allein ist niemand so - und auch nicht, weil da auch ein paar geschickte Organisatoren am Werk wären !!  Wo Menschen-Seelen sich nicht verloren fühlen, kann kein noch so cleverer  Organisator etwas ausrichten...



Ich möchte einmal erleben, dass sich Politiker/innen vor die Kameras stellen, die von nichts anderem reden  als ihren eigenen ganz konkreten Versäumnissen dort, wo sie für gedeihliche(re) Regelungen zu sorgen gehabt hätten ... 

Ich möchte einmal erleben, dass Politiker/innen dieses Landes eingestehen, dass sie keine allseits als gut empfindbare Lösung wissen für Problem X,Y,Z...

Ich möchte endlich erleben, dass Politiker/innen dieses Landes Menschen fragen, wofür sie sich andere Regelungen wünschen als jene, die bis dahin politisch ausgehandelt wurden  -  das Internet böte dazu doch wunderbare Möglichkeiten, die man endlich einmal nicht nur pro forma einsetzen könnte ...  ! ! !



Sie alle  -  und nicht nur Herr Seehofer & Co  -  versteigen sich seit 2015 zunehmend in nahezu ein einziges Thema :  ´Flüchtlinge´!

Und Sie tun es  - in Varianten -  im Abwehrmodus  -  ganz Europa tut es im Abwehrmodus...
Und da das am eigenen werte-missionarischen Selbstverständnis kratzt, tut man es mit wechselseitigen Vorwürfen bezüglich der Rigitätsunterschiede zwischen den europäischen Staaten...wie innerhalb des eigenen Landes ...


Die Diskussion über dieses Alibi-Verhalten ersetzt auf allen Seiten den ebenso nüchternen wie selbstbewussten Blick darauf, welche Probleme mit den hier Aufgeschlagenen man in die Welt schiebt,    w e n n    man sie zu   v e r w a l t e n   trachtet, wie das seit 3 Jahren immer noch geschieht:

Das betrifft bürokratische Monstrositäten, es betrifft vor allem die Unterbringung, die Art, wie Kompetenzerwerb angeboten & zugelassen wird ...

Die darüber  geschaffenen Lebens-Umstände  für die hier Gelandeten würde in jeder Menschengruppe dieser Welt Agressionen erzeugen  -  der Kriminalität, die man so evoziert, kann man ängstigende Wirkungen niemals nehmen, solange man mit ihr nicht klar und wirksam umgeht.
Das aber war nie klares und beherzt geregeltes Thema !

Und erst recht hatte und hat offenar kaum jemand die Anziehungskraft der seit Jahren ausgeblendeten Clan-Kriminalität für außer Tritt geratene Menschen im Blick !
Schließlich bildet nicht zuletzt sie offenbar den bis heute so gut wie nicht thematisierten Tathintergrund des Chemnitzer Mordes vom 1. auf den 2.9..


Was die Weltlage, an der D keineswegs unbeteiligt ist (!!!), zu uns an Menschenelend herüberschwappen lässt, sollte uns demütige Akzeptanz abverlangen, statt jenes arroganten Gesetzes-Fetischismus, mit dem wir die nun einmal hier Gelandeten zu kategorisieren trachten:

Das Asylrecht passt längst nicht mehr zu den Menschenquälereien, wie sie die Kontexte unserer modernen Weltordnung kennzeichnen. ..
Also:  wer nun einmal hier ist und sichtlich entschlossen und auf dem Weg, hier seine neuen Lebensgrundlagen zu finden, für den sollte es keine Hürden geben hierzubleiben.
Das wird auch für alle zu gelten haben, die es in Zukunft schaffen, deutschen Boden zu erreichen.

Abgesehen davon wäre endlich ein weltweit durchsichtiges Einwanderungsrecht zu etablieren - neben einer völlig anders als bisher betriebenen Handels- & ´Entwicklungs´-Politik gegenüber dem Vorderen Orient und Afrika...


Überlegen Sie einmal, wieviel Zeit Sie täglich für Alibi-Diskussionen über die Klassifizierung und Abschiebepraxis von Flüchtlingen vergeuden, statt endlich wirklich Grundlegendes bezüglich der aus dem Ruder gelaufenen Einkommensordnung hierzulande zu entwickeln und in den Horizont der Menschen zu rücken  -  niemand hätte dann mehr Anlass, Migranten staatliche Unterstützungsgelder zu neiden ...

usf. ... !

Ein Rechtsstaats-Konzept, dessen Instrumente sich dem Phänomen traditioneller wie neuer organisierter Kriminalität gegenüber als stumpf erweisen, gehört konsequent so angepasst, dass da keine Spielräume mehr einfach offenstehen, wie seit Jahrzehnten offenbar zunehmend!
Menschenjagd vollzieht sich hierzulande weit mehr als durch Rechtsradikale in den Kontexten ausufernder Clan-Kriminalität !
Auch hier gilt es grundlegend neu Anzumessendes endlich wirksam zu erarbeiten und umzusetzen !



AlleWelt versteigt sich heute von Tag zu Tag mehr ins Herbeireden von Beängstigendem, von Abzulehnendem:

-  reden wir von hier Gestrandeten aus aller Welt so, wie   w i r   von ihnen reden möchten - ohne Abqualifizierungen derer, die anders von ihnen reden ...
-  reden wir von Regelungen, die wir möchten, s o , dass quasi von selbst einleuchtet, wie gut unsere Ideen dabei bereits sind, und wo so Raum für noch uneingelöste Abklärungen entsteht ..
.
-  hören wir auf, in Kampfkategorien zu denken und ständig zuerst und zuletzt vom Kämpfen und Bekämpfen zu reden und dies als  unsere Hauptaufgabe  zu signalisieren !!! 

...Und uns dann zu wundern, wenn uns Kämpfer ganz anderer Qualität als wir selbst entgegenkommen...

Pardon, dass ich Ihre Aufmerksamkeit so ausführlich in Anspruch nehme, sofern meine Mail Sie überhaupt erreicht und beschäftigt:

Ich kann die tagtägliche Abqualifiziererei aller gegenüber allen samt der damit verbundenen Forcierung all dessen, was man ja gar nicht haben möchte, kaum mehr ertragen  ...  und wünsche mir ein kräftiges Stück selbstkritische Nachdenklichkeit in diesem Bereich der politischen Kultur dieses Landes...



Merci und beste Grüße

Gabriele Weis