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gw/ Beitrags-Chronologie |
Bernau, 15.4.2018 MAIL: |
Betr.: ![]() https://www.herder.de/cig/cig-ausgaben/archiv/2018/15-2018/die-verdraengte-gefahr/ |
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Sehr geehrter Herr Röser,
ich frage Sie nach der Lektüre Ihres Artikels:
ist denn allzu vielen ´Christen in der Gegenwart´ mittlerweile
so unvertraut, was uns alle zutieft froh sein lassen könnte?
Der Weg
Jesu - welcher Bedrohung auch immer gegenüber- war
für mein Begreifen
ein anderer als der, auf
Verdrängung aufmerksam machen zu wollen.
Sehen wir nicht, dass und wie sehr wir unser Fühlen, Denken und
Handeln in der Regel im Analysieren von ´Gefahren´ erschöpfen ?
Die Gefahren, die Sie bedacht sehen wollen, sind da und sie
wachsen. Die Augen vor ihnen zu verschließen, macht keinen
Sinn - wie aber auch nicht das Starren auf sie...
Wenn da denn ein göttlicher Urgrund uns in Liebe will &
begleitet, obgleich uns dieses Wollen unaufhebbar zwischen
selige Freude und Schmerz spannt, so können wir auf das, was uns
schmerzt, am Ende gar atomar und und und antworten ...
... - oder wir antworten auf die Schmerzen in und zwischen uns
wie eben Jesus:
"Er richtete sich auf und sagte zu
ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?
Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch ich
verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!"
(Joh 8,10+11)
Was meint denn dieses verurteilungslose ´sündige fortan nicht
mehr´ - wo wir doch zumeist nichts Wichtigeres kennen, als uns
selbst und einander zu bändigen, indem wir ´falsches ´ Tun ´verurteilen´...
... damit wir weder so etwas wie Ehebruch, noch gar kriegerische
Auseinandersetzungen bis hin zu Atomkriegen und und und
´zulassen´, indem wir hinreichend wachsam sind - und b e w e h r t
...?
Jesus, obgleich schändlichst gequält und hingemordet, hat, wann
immer er Anhängern mit auferstanden verklärter Berührungskraft
begegnet, vor allem anderen einen Satz auf den Lippen: ´Friede
sei mit euch, fürchtet euch nicht!´
Er wusste und akzeptierte, im Angesicht seines Kreuzweges selbstredend mühsam, dass
geschaffenes Leben ohne ´Kelche´ voller Qualen nicht sein k a
n n - aber eben immer auch ist und bleibt: voller göttlichen
wie menschlichen ´Wohlgefallens´ an allem Existenten ...
Er setzte am Ursprung des Leides an, das Menschen sich selbst
und einander antun in ihrer blanken Irrtumsanfälligkeit und im
angstvollen Starren auf mögliche bis klar absehbare
wechselseitige Gefährdungen, mittels dessen sie sich zu schützen
suchen... :
Wo nämlich die Anklage wie die Verurteilung jeder Grundlage entbehren: "Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten
Stein" -, kommt es allein auf eine einfache Nicht-Wiederholung
dessen an, was Schmerzen verursacht hat, durch den, der sie
verursacht hat...
Nicht auf Empörung, nicht auf Strafe, nicht auf
Eliminierungsordnungen, nicht auf Analysen dieser oder jener
´Sünden-Szenarien´ ---
--- einzig darauf, dass jede/r - ganz für sich freien Herzens
- und seine Wahrnehmungen allein auf seine eigenen Möglichkeiten
& und Erfordernisse gerichtet - fortan mit neuem
Begreifen unterlässt, womit er sich
selbst und anderen Schmerzen bereitet !
Dann wäre Frieden, heil werden können - Irrtümer, Verloren-Gehen mit allem, was
daran Schmerzen bereitet, gäbe es selbstredend immer
- denn Geschöpflichkeit o h n e sie kann es
nicht geben ...
... aber wo wir diese Schmerzen einfach neben unsere gleichzeitigen Seligkeiten zu stellen bereit würden... , ... glitten wir in jene a u c h schmerzbereite, a b e r zugleich in vielerlei ´Wohlgefallen´ v e r a n k e r t e F u r c h t l o s i g k e i t, die wir als Ahnung von ´Paradies´ in uns tragen...
Jesu Auferstehungsgruß ´Friede ist, wo ihr, was Leiden schafft,
nicht fürchtet, sondern so oder so Verletzendes von euch aus einfach nur lasst´ , weist
doch nicht nur dem einzelnen den Weg zu erfahren, wie sich
´Paradies´ in und unter uns ereignet...
Es gilt doch bei genauerem Hinsehen auf der Ebene von Ethnien
und Staaten nicht minder:
Handeln wir einfach nicht ständig irgendetwas aus,
verrechtlichen wir nicht allüberall, gerade auch nicht auf
zwischenstaatlichen Ebenen, was einfach als lebendige Beziehung
zu pflegen wäre - in je eigenen Rhythmen von Nähe und Distanz,
die allem eignet... - in möglichster Achtsamkeit für die
Interessengeflechte, in denen alles schwingt, mal rauher und
andere beengender, mal gelöster und rundum fruchtbarer -
´lebendiger´ eben...
Nur wer
für andere Bedrohliches aus
freiem Entschluss ablegt,
befreit auch sie dazu, anders aufzutreten.
Nur wer
anfängt, seine Arsenale auf blankeste
Selbstverteidigung, also kleinteiligen Schutz vor unmittelbarer
Angreifer-Willkür, zurückzufahren, legt Fundamente für Frieden.
Nur wer Bündnisse als das begreift, was sie sind: Multiplikatoren von
Aggressions-Kettenreaktionen nämlich - und wer ausrücklich
und mehr oder minder zügig an ihrer Auflösung arbeitet, macht
zuerst wie zuletzt atomare und andere
Massenvernichtungs-Arsenale überflüssig.
Nur wer
Bündnisverträge durch eine Politik
des sich frei Verbindens und Distanzierens welcher Gemeinwesen
auch immer unter einander zu ersetzen beginnt, sorgt am
intensivsten für das wechselseitige Fairplay möglichst vieler,
das Frieden bedeutet - materiell, geistig, kulturell und
spirituell ... !
Würden ´Christen in unserer Gegenwart´ endlich wenigstens
hierzulande und wachsend erdkreis-umspannend ein solches
´Anfangen´ einfach beginnen und dazu einladen mit milliardenfach
sich zu Gehör bringenden brennenden Herzen und uneinschüchterbar
- wären nicht atomare und andere Gefahren unser Thema, sondern
unser je eigener Beitrag zu unmittelbar nachbarschaftlichem wie
weltumspannendem Fairplay.
Es ginge um näher- und fernerliegende Wege zu immer neuem
Heil-werden-Lernen, um Mut,
Zuversicht und neu aufbrechende Kraft in immer mehr Menschen und
Gesellschaften.
Es ginge um einen allenthalben und in größtmöglicher Vielfalt
dynamisierbaren Aufbruch im Medium unserer reichen Eigenarten zu
wachsend heilendem Wohlgefallen an uns selbst wie aneinander... !
Verzeihen Sie diese etwas lang geratene Gegenrede...
Aber ich stolpere, je älter ich werde, mehr und mehr über die Unfruchtbarkeiten im öffentlichen Diskurs und der Politik, in
denen sich unsere aktuellen Gesellschaften offenbar zunehmend
verfangen...
Wir wenden unseren Umgang mit einander und mit der Welt
zunehmend ins Reaktive, Abwehrende, Bekämpfende...
Ein kraftvoll und aus den kulturellen Kernen u.a. der verschiedensten
Weltregionen neu beseelt ansetzendes und überzeugendes Wohin
hält offenbar kaum jemand für möglich...
Um ein solches jedoch geht es mir - nicht aus Angst vor den
Wänden, vor die wir sonst relativ sicher fahren, sondern aus
´Wohlgefallen´ an dem, was in diesem Universum und in uns Menschen
an Potentialen schlummert und vielfältig berührend erfahrbar
wird.
Ein Medium wie das Ihre könnte seinen Lesern und deren
Lebenskreisen davon erheblich mehr vermitteln, als es das für
meine Wahrnehmung offenbar nur tut.
Was ich mir da wünsche, hat unter Umständen nicht den
Realitätssinn für sich, auf den hin Sie Ihr Weltwissen ordnen.
Wo doch, würde ich mich über ein Stück Auseinandersetzung
freuen.
Merci für Ihre Aufmerksamkeit und nehmen Sie den Slogan einer
aktuellen Bewusstseinsförderungs-Initiative mit auf den Weg:
"Frieden geht"
Gabriele Weis
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