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KRIEGSTRÄCHTIGE KONFLIKTE + HALTUNGEN

 

- KRIEGS-TYPEN:

nach Kriegführenden:

  • Ritterkriege
  • Söldnerkriege
  • Kabinettskriege
  • Volkskriege - Wehrpflichtige - Berufssoldaten
  • Bürgerkriege
  • Bandenkriege

nach Kriegsformen:

  • Guerillakriege
  • Materialkriege
  • Luftkriege

nach Kriegsgegenständen:

  • Verteilungs- und Eroberungskriege
  • Hegemonialkriege
  • Sezessionskriege
  • Befreiungskriege
  • Heiße und kalte Kriege - Stellvertreterkriege

 

 

- KRIEGS-HERDE +  -SCHAUPLÄTZE:

 

  • Gebiete mit Hegemonialstreben
  • Gebiete, in denen Machtvakuen be- oder entstehen
  • Gebiete mit großen inneren Spannungen
  • Hauptkriegsschauplätze 1. Hälfte 20. Jhd.:

Hauptsächlich Nordhalbkugel - unmittelbare Hegemonialkriege

  • Hauptkriegsschauplätze 2. Hälfte 20. Jhd. – 1945-1990:

Hauptsächlich Südhalbkugel - mittelbare Hegemonialkriege im Kontext des Ost-West-Konflikts / Stellvertreterkriege in Form von Befreiungs-, Eroberungs- und Bürger- bzw. Sezessionskriegen

  • Hauptkriegsschauplätze seit 1990 – dem Ende des Ost-West-Konflikts:

Hauptsächlich Südhalbkugel - mittelbare Hegemonialkriege im Kontext der Globalisierung des Wirtschaftsprozesses und einer vielfältigen Verschiebung mächtepolitischer Kraftfelder - in Form von Befreiungs-, Eroberungs- und Bürger- bzw. Sezessionskriegen

 

- KRIEGS-FOLGEN:

 

  • Rund 50 Mio. Kriegstote in über 190 Kriegen weltweit seit 1945, 2/3 davon Zivilisten
  • Jährlich viele Mio Kriegsflüchtlinge und –vertriebene weltweit - bis hin zu ethnischen ´Säuberungs-Lösungen´ von inneren Konflikten
  • Destabilisierung und Neukonfigurierung von internationalen Mächtekonstellationen bis hin zu neuerlich kriegsträchtigen Beinträchtigungen der Sicherheitsbedürfnisse
  • Verfestigung wie Umsturz von Systemen

 

 

- KRIEGSTRÄCHTIGE KONFLIKTE:

 

  • Konflikte sind kriegsträchtig, wenn sie als existentiell, also in irgendeiner Weise bereits akut oder erst noch potentiell lebensbedrohlich empfunden werden - manchmal unabhängig davon, ob sie, mit gehörigem Abstand betrachtet, tatsächlich Lebensbedrohlichkeit in sich bergen
  • Das gilt für Konflikte zwischen einzelnen nicht minder als für Konflikte zwischen verschiedenen Gesellschaftsgruppen/politischen Lagern wie auch für Konflikte zwischen Staaten

 

  • Kriegsträchtige Konflikte haben damit immer entscheidend:

entweder mit phobischen, also angstbesetzten Verengungen von sonst kulturell hochleistungsfähigen Menschen- und Weltbildern zu tun

 

  • Die mittelalterlich-christliche Weltreichsidee pervertiert sich in die Kreuzzugsidee
  • Die mittelalterlich-christliche Ordo- und Pilgerstaats-Idee pervertiert in den Hexenwahn und die Inquisition

  • Kapitalistischer Liberalismus und Ostblockkommunismus treten ihre eigenen Ideale ständig mit Füßen, weil die überstarke Bedrohung durch den jeweiligen Systemgegner angeblich dazu zwingt

  • Mission pervertiert in Zwang

  • Religiöse oder politische Positionen werden verteidigungs- oder befreiungshalber auf ihre fundamentalistischen Kerne reduziert

 

oder sie erwachsen von vorn herein aus einem irgendwann phobisch gewordenen Welterleben, das zu Befreiungsschlägen tendiert und Anlaß wird für einen diese legitimierenden aggressiven Ideologiemix

 

  • Der die diversen ´Faschismen´ im Kern tragende Sozialdarwinismus
  • Rassismen

 

 

Die Wurzeln phobischen Welterlebens liegen:

  • in pyschologischer Hinsicht:
  • im natürlichen Selbstbehauptungs- und Geltungsstreben von Menschen und Völkern, dem infolge eines zu übergriffig agierenden Ordnungsstrebens und Interessenkampfes von ihren jeweiligen Konflikt-Kontrahenten die erforderliche Rechnung nicht mehr getragen wird - oder früher in traumatisierendem Umfang verweigert wurde
  • im unausweichlichen Erfordernis ordnungspolitischer Konzepte, denen jedoch ständige Pervertierung droht infolge der Begrenztheit des menschlichen Intellekts
  • in Phantasielosigkeit, was tragfähige Gründe für Selbstwertgefühle, die Weiterentwicklung oder erforderliche Umstrukturierung von Ordnungen, die möglicherweise keineswegs bösartigen Motive jeweiliger Konfliktgegner, sondern vielmehr deren Ängste, mögliche halbwegs für alle Beteiligten gerechte Lösungen, die Bedeutung von Zeitpunkten und Potentialen und dergleichen mehr angeht

 

  • im Bereich konkreter Greifbarkeiten:

  • In der naturgegebenen Knappheit aller Natur- wie Kulturgüter

 

 

  • Konflikte sind darüber hinaus dann kriegsträchtig, wenn die Kräfteverhältnisse so sind, daß jeder der Konfliktbeteiligten auf eine Verschiebung der Kräfteverhältnisse zu seinen Gunsten oder auf deren Verteidigung durch gegebenenfalls sogar präventive (=vorbeugende) Gewaltanwendung hoffen zu können glaubt
  • Kraftentfaltungsmöglichkeiten ergeben sich dabei nicht allein aus wirtschaftlicher und strategischer Potenz - Verzweiflung wie Sendungsbewußtsein und ein starker Zusammenhalt zwischen Führenden und Geführten können in manchmal staunenswertem Umfang die materiell unterlegene Seite zur gleichwohl stärkeren werden lassen
  • Kraftentfaltungsmöglichkeiten ergeben sich auch aus den Fehlentscheidungen der Gegner

 

  • Und Konflikte sind dann kriegsträchtig, wenn die Kräfteverhältnisse so sind, daß der unterlegene Kontrahent so chancenlos ist, daß der Überlegene statt im Wege langwieriger Verständigungsversuche seine Interessen einfach mit gewalttätiger Rücksichtslosigkeit durchsetzen, einfach ´kurzen Prozeß´ machen zu können oder gar zu sollen glaubt.

 

 

- KRIEGSTRÄCHTIGE HALTUNGEN:

 

  • Die Bereitschaft oder gar Neigung, dem jeweiligen Konfliktgegner Bösartigkeit und Böswilligkeit zu unterstellen statt eine prinzipielle Gleichrangigkeit in der Verfolgung seiner Interessen zuzugestehen
  • Expansionsbestrebungen wie Selbstbehauptungsaktionen bei sich selbst anders zu werten als beim jeweiligen Gegner - unter Verweis auf die problematischen weltanschaulichen Grundlagen des Handelns und Strebens des anderen
  • Mangelnde Wahrnehmungs- und Analysebereitschaft der auf der eigenen wie auf der gegnerischen Seite ja immer hochkomplexen Problemlagen - Streben nach reduktionistischem Denken , bequemem Urteilen und ebenso ´einfachen´ wie ´schnellen´ Lösungen
  • Mangelnde Duldsamkeit gegenüber Entwicklungen, Haltungen und Aktionen von Gegnern, gegen deren wie auch immer bedrängende Auswirkungen sich vorderhand kein nicht gewalttätiges Rezept finden läßt - bzw. umgekehrt: die Bereitschaft und Entschlossenheit, mögliche Bedrängnis durch andere als schlimmer zu erachten, als das Inferno, das jeder Krieg bedeutet
  • Mangelndes Selbstvertrauen hinsichtlich der eigenen Findigkeit im Umgang mit den anstehenden Konflikten und den aus diesen erwachsenen Bedrängnissen
  • Mangelnde Suche nach den eigenen Anteilen an dieser oder jener Konfliktlage und –eskalation - und entsprechend mangelnde Bereitschaft, diese Anteile erst einmal signifikant abzubauen, bevor man neue Möglichkeiten eines zuträglicheren Miteinanders als bisher ins Auge faßt, die schließlich erst wachsen müssen, was sie, ohne daß man den Boden dafür bereitet hätte, nicht können

 

- MÖGLICHKEITEN DER KONFLIKT-AUSTRAGUNG + IHRE FOLGEN:

 

  • Kommunikation > Verständigung / Halbverständigung / Vertrauensbildung? / Nichtverständigung
  • Verrechtlichung > Berechenbarkeit / Vereinfachung < Problem des möglichen Rechtsbruchs - Sanktionen?!
  • Druck > Nachgeben / Gegendruck - Eskalation
  • Distanz > Entspannung / andere Art von Druck / u.U. gefährliche oder aber notwendige Spielräume
  • Duldung > Bedrängnis / scheinbar übergroße Spielräume für den Bedränger / neue Spielräume für das, was an Neuem wächst und wachsen kann
  • Krieg > Inferno/Untergang von vielem auf allen Seiten / rücksichtslos gewalttätige Neuverteilung der Karten, die neue Konfliktwurzeln legt