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GW /november 2000

 

    GEWALT -

WEDER HINNEHMEN

NOCH ÜBEN

 

 

 

NEUGIER STATT FREMDELEI

SELBSTBEWUSSTSEIN STATT HASS

VIELFALT STATT EINFALT

AUFBRUCH STATT ABWEHR

 

 

unerträglich ist täglich neu, daß und wie menschen und regime dadurch nach ermutigung streben, daß sie nach anderen treten!

 

nicht minder unerträglich bin ich, wenn ich dergleichen kommentar- und tatenlos geschehen lasse:

- da, wo ich entsprechende gesetzesbrüche mutlos oder gleichgültig übersehe und nichts dazu tue, daß gesetz und/oder gesetzesanwendung den staatlichen schutzaufgaben  gerecht werden.

-  wo ich gewaltlust-schürend mitstricke an diffusen verächtlichkeiten und sündenbock-creationen.

-  wo ich unerträgliches kontraproduktiv thematisiere...

 

menschen treten ja nicht einfach nach anderen, weil nichts anderes in ihrer natur läge und sie nur niemand hinreichend hindert.

menschen treten nach anderen, weil sie sich selbst als getretene, zumindest aber in ein achtloses dasein gedrückte erleben!

 

so schief ein solches erleben im einzelnen sein mag:

 es ist wohl  nie allein frucht so oder so entgleister vorstellungen, phobien oder ideologien,

- es hat seine konkreten wurzeln immer in irgendwie  zu engen bzw. öden lebensspielräumen!

 

so wenig außer frage steht, daß meine lebensspielräume ganz entscheidend mit daraus erwachsen, welche vorstellungen und verhaltensweisen ich mir zu eigen mache und welche nicht...

... so wenig steht außer Frage, daß das kulturelle gefüge, in dem ich lebe, unablässig an den rahmenbedingungen strickt, innerhalb deren sich für mich spielräume erfassen und gestalten lassen - oder eben nicht so recht...

 

 

 spielraumverengungen entstehen immer dort, wo wir uns in blickverengungen verlieren und wo alte perspektiven veränderungsbedingt schwinden, neue aber vorerst nicht in sicht sind oder zu sein scheinen.

 

 

dann kann man so oder so ´aufstehen´...

 

 

- man kann besitzstandswahrend auf abschottungen setzen  -  oder besitzstandsergatternd auf ein mehr oder minder wütendes rennen um neue pfründen unter ellenbogeneinsatz  //  wer etwas anders macht oder will als für die eigenen ziele von vorteil, ist dann der feind, dem gegenüber es nur sieg oder niederlage gibt...

 

- man kann so tun, als werde alles besser, wenn man  ´unzimperlich´ dafür eintritt, daß einem nur niemand weiteres ´die butter vom brot holt´.  ...als werde alles besser, wenn man den stolz auf eigenes und die ablehnung alles fremden zum angelpunkt zurückzugewinnender unabhängigkeit von den gegenwärtigen weltprozessen macht  //  dann kämpft man  neid- und haßerfüllt mehr oder minder brutal den großen unabhängigkeitskampf gegen die kleinen armen oder auch reicheren dieser welt, die bei uns ihr auskommen suchen (oder man läßt kämpfen)...

 

- man kann demgegenüber umgekehrt so tun, als leiste der pranger entscheidendes für den abbau von gewaltlust und verzweiflung und die eindämmung neonazistischer kräfte  //  angst und haß bilden jedoch auch hier einen nicht unerheblichen teil eines zudem u.a. auf historische überhöhungen setzenden ´kampfkapitals´...

 

 

 

- oder man kann sich aufmachen, ein möglichst weit gespanntes wechselseitiges anregungsgefüge zu errichten, mit dessen hilfe sich spielräume verschmerzen, zeitgemäß modifizieren, neu schaffen und ausballancieren lassen!

- niemand, dessen beitrag zu einem solchen anregungsgefüge verzichtbar wäre!

 

 

...könnte nicht eine dieser anregungen in der these bestehen: 

mißbrauch von rechten ereignet sich überall dort, wo innerhalb kultureller gefüge die menschen (alte und neue) mit ihren möglichkeiten allenfalls einseitig gefragt sind!?

- nicht die ´mißbraucher von systemen´ sind das  entscheidende problem, sondern die ´nichtbraucher von menschen´!? beide arbeiten einander überaus kräftig in die hände!

 

 

...und könnten nicht  weitere dieser anregungen lauten: 

 

- integriert ist, wer gefragt ist - verständigungswege für ein solches fragen finden sich immer, sie bedürfen nicht unbedingt fester regulierungen!?

 

- reich ist, wer in sein fragen und anbieten möglichst viele einzubeziehen weiß und von anderen gelegenheit dazu erhält!?

 

- deutscher ist der von hier stammende auf seine - und, wer hier staatsbürger sein will, weil sein leben hier seine mitte hat, auf eine andere - weise!?

 

- deutsches staatsbürgerrecht sollte jeder hinzustoßende genießen, der längerfristig zum kulturellen leben hierzulande das seine beiträgt bzw. beitragen will  - von dem u.u. landesfremden kulturellen hintergrund aus, den er mit- und einbringt (wenn er hier auf dauer angelegt arbeitet, wohnt, ißt, trinkt, krank wie gesund wird, geboren wird und stirbt, familien-, freundschafts- und bekanntschaftsbeziehungen pflegt, kauft, verkauft, sich bildet, einfluß nimmt, wählt, gewählt wird, sich etwas zuschulden kommen läßt, dafür gerade steht oder zumindest stehen muß, sich beteiligt, lasten tragen hilft und mit gehalten zu werden anspruch erworben hat...)!?

 

 

- dabei sollte klar sein:

die gepflogenheiten des kulturellen lebens hierzulande waren, sind und werden unaufhebbar auf andere weise vielfältig sein als die in frankreich, indien oder sonstwo.  

solange es ein politisches gemeinwesen im namenskontext des begriffes ´deutschland´ gibt (oder irgendwo in der welt menschen leben, die sich auf dieses gemeinwesen und seine geschichte beziehen), existiert ´deutsche kultur´, die kultur dieses landes bzw. seiner menschen eben - voll innerer vielfalt und eingebettet in großräumigere kulturelle gefüge (in unserem falle und heute: die europäische und die welt-kultur).  

diese (wie jede) landes- bzw. gesellschafts-spezifische vielfalt wird immer im fluß sein.  oder es wird sie nicht mehr geben...

 

im schwemmsand wie in den wassern dieses flusses gelangen mal diese, mal jene spuren früherer kulturzustände und -bedingungen (mehr oder minder entschieden erinnert) bis in unsere tage.  in diesen fluß münden darüber hinaus nicht erst heute zahllose zuflüsse mit nicht minder frucht- wie furchtbaren schwemmsand- und wasser-anteilen.

 

 kulturen sind keine nußschalen-kleinen boote im unendlichen meer!

 

kulturen leben an und von flüssen. sie sind ihrerseits materielle wie geistige ströme von vorlieben, abneigungen, gepflogenheiten, weltsichten und gesellschafts-mentalitäten, die dieser welt ihre menschenbezogene prägung verleihen.  die möglichkeit einzelmenschlichen auskommens hängt an der existenz solcher kulturströme im fluß!

 

was aber tun flüsse?  sie suchen sich ihr bett gemäß den topographischen bedingungen, mit denen sie es zu tun bekommen.  sie wären nicht, was sie sind, bekämen sie nicht unablässigen zufluß und rieben sie sich nicht zuweilen furchterregend auch an den regulierungen, zu denen sie selbst die menschen einer region herausfordern und anregen...

mit flußregulierungen wiederum verbinden sich kulturelle höchst- wie fehlleistungen gleichermaßen.  manchmal nämlich potenzieren solche regulierungen regelrecht die immer auch zerstörerische kraft nur scheinbar zähmbarer wassermassen, und aus mühe- und liebe- oder auch nur angstvoll oder raffgierig gestaltetem wird unwirtliche ungestalt. wir erleben dergleichen gerade in jüngerer zeit weltweit anschaulich genug!

 

 

- wieviel möglichen reichtum verspielt eine gesellschaft, die es sich leistet, menschen (ganz gleich ob junge, alte, arme, fremde...) in ungefragten, ja ausgegrenzten und irgendwie angeprangerten randgruppen zu halten oder gar auszusperren, mit deren potentialen sie wuchern könnte, ließe sie sich für deren nutzung geeignetes einfallen?!

- haben wir unser arbeitslosigkeitsproblem nicht vor allem deshalb, weil wir ein anderes nachfragen, als wir es aus industriewirtschaftlichen zeiten kennen, noch nicht genügend in unseren horizont geholt haben?!

lohnte es sich nicht von allen möglichen enden aus - auch dort, wo wir eine solche arbeit vorderhand noch nicht in erwerbskapital umzumünzen wissen -,  so an der konstruktion neuer informativ zu nutzender wegenetze zwischen uns zu bauen, daß umfassende infrastrukturen für einen immer leichtgängigeren, vielseitigeren und selbstbestimmteren einsatz menschlicher kraft- und fähigkeitspotentiale noch rascher und vielfältiger wüchsen als heute bereits?!

 

- und haben wir überfremdungsängste nicht vor allem deshalb, weil wir uns selbst so oder so weder ganz trauen noch entscheidendes zutrauen? - und gelingt uns beides zuweilen so traurig wenig, weil wir uns auf diverse ´dennochs´oder ´nie-mehrs´ fixieren, statt ´die kulturspezifischen sos´ in den blick zu fassen, an denen allen jetzt wie künftig hier lebenden liegen könnte und sollte?!

 

 

- gibt es nicht im grunde bei jedem alteingesessenen wie neu hinzustoßenden wahrnehmungs-, aktions- und gestaltungsfelder, auf denen er sich so angesprochen fühlt und andere so anzusprechen vermag, daß sich jene ureigenen fähigkeiten und kräfte in ihm freisetzen, an denen ein riesenstück seiner lebensfreude hängt?! 

und hängt an möglichster lebensfreude möglichst vieler (weit mehr als fun übrigens) nicht zentral die kulturelle kraft einer gesellschaft insgesamt?! 

die menschen hierzulande brauchen sich doch nur voller neugier von dem aus, was ihre bisherigen horizonte bestimmt, aufzumachen und sich für die horizonte derer, die längst (oft sogar gerufener weise) hierher gekommen sind oder noch kommen wollen, zu interessieren - nicht anders als für die horizonte derer, mit denen sie seit generationen zusammenleben, und gemeinsames wie unterscheidendes in respekt vor unterschiedlichen eigenarten und auffassungen zu kommunizieren:  dann (und nur dann) halten sie ihre kultur in jenem lebendigen fluß, der hier wie anderswo seine früchte tragen kann!

wieso ängstigen wir uns  - statt uns zu freuen oder von mir aus auch ´stolz´ zu sein -,  wenn andere im kontext hierzulande entwickelter lebensformen leben wollen?!

 wer, bitte, wollte denn keine freunde (mehr) haben, weil freundschaften lebensstile (um)prägen?! und welche firma lieber weniger denn mehr mitarbeiter, weil zahl und zusammensetzung einer betriebsbelegschaft natürlich auswirkung auf die arbeitsatmosphäre haben?! welches land so wenig wie möglich außenhandel, damit man in optimaler vertrautheit miteinander wirtschaften kann?! und wer möchte sich zeitlebens nur im radius seines heimat- oder geburtsortes bewegen, weil sich so die zahl derer, auf die er sich einstellen muß, in denkbar überschaubaren grenzen halten läßt?!

käme irgendeiner der überfremdungsängstlichen hierzulande auf die idee, es in ordnung zu finden, daß (mehr oder minder überlaufene) reiseländer oder -orte ihre grenzen für weiteren reiseverkehr dicht machten, weil die riesigen touristenströme unserer tage die alltagskultur dort selbstredend erheblich mit umformen?!

 

- menschen leben voneinander, wenn sie miteinander leben.  oder sie leben nicht!

wer sich selbst nicht vermehrt, ist auf die vermehrungsleistung anderer angewiesen. wer sich selbst nicht bildet - auf die bildungsleistung anderer. wer sich auf eines spezialisiert, braucht spezialisten für alles andere. wer etwas haben will, muß dafür etwas geben.

 

- wie wir von- und miteinander leben, liegt in unserer hand ... ! 

 

 

 

 

 

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