gw / Bernau, 23.6.2018 | |
Geldschöpfung durch Privatbanken (Giral & Kredite) = Enteignung |
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gw/ AUSZÜGE : ´GELD VERSTEHEN´ |
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Geld ist ein
Anrecht auf Gegenleistung. Es entsteht durch Leistung und berechtigt zum
Bezug einer Gegenleistung. Es verliert
seinen Wert, wenn es ohne Leistung entsteht oder wenn keine Gegen- leistung
geliefert werden kann. Es verliert
seine grundlegenden Eigenschaften auch, wenn keine Institution für die
Übertragbarkeit sorgt oder die Einhaltung der Regeln vernachlässigt.
Wenn ein Kreditnehmer zur Bank geht, leiht ihm die Bank nicht
das Geld der Sparer – die behalten es nämlich –, sondern schreibt ihm
einfach den gewünschten Betrag ins Konto. Das ist Geld, das es vorher
nicht gegeben hat, und damit kann der Kreditnehmer mit einfacher
Überweisung seine Rechnungen bezahlen. Das Geld aus
dem Nichts funktioniert also wie Geld, für das jemand hart arbeiten
musste. Die Banken
können übrigens mit diesem selbst gemachtem Geld auch Vermögenswerte
kaufen.
Die Banken können allerdings nicht beliebig Geld aus dem
Nichts schöpfen, aber fast. Sie brauchen dazu lediglich eine
Mindestreserve an gesetzlichem Zahlungsmittel von 2,5 Prozent (im
Euroraum 1 Prozent). Je nach Risikostufe des Kredits müssen die Banken
noch etwas Eigenkapital vorhalten, nach dem Regelwerk Basel III rund 7
Prozent. Sind die
Eigenkapitalvorschriften erfüllt, braucht eine Bank für einen Kredit von
einer Million also
bloss eine Reserve von 25000 Franken. Fehlen der
Bank die 25000, kann sie sich diese von der Nationalbank leihen, zum
Leitzins von 1 Prozent, also für 250 Franken pro Jahr.
Mit diesem
winzigen Betrag kann die Bank den Millionenkredit finanzieren – ein
ziemlich attraktives Geschäft.
Die Bank
verlangt ja nicht nur die Rückzahlung des Geldes (das sie nie gehabt
hat), sondern auch den Zins. Die wachsende
Lücke ist u.a. der Grund, warum ausser ein paar kleinen Steuerparadiesen
sämtliche Staaten der Erde hoch verschuldet sind.
Das
grundlegende Problem des heutigen Geldes besteht also in der privaten
Kreditgeldschöpfung gegen Zins, die zu Schulden führt, die niemals
zurückbezahlt werden können. Aber: Ist
eine Schuld, die nicht getilgt werden kann, noch eine Schuld oder nicht
schon etwas Undefinierbares, eine Art ökonomische Erbsünde? Die
moderne Ökonomie macht es sich einfach und erklärt Schulden kurzerhand
zu Geld.
Doch es ist ein Recht auf eine
Leistung, die es im geforderten Umfang nicht gibt und nie geben kann.
Auf diesem
wackeligen Fundament steht das weltweite Finanzgebäude, das die Erde
zunehmend unbewohnbar macht.
Unser «Geld»
auf den Bankkonten ist kein gesetzliches Zahlungsmittel, sondern bloss
eine Forderung, auf Verlangen gesetzliches Zahlungsmittel (also Bargeld)
auszuzahlen.
Das können
die Banken aber nur im Ausnahmefall, denn die Mindestreserve liegt ja
bloss bei 2,5 Prozent und das (mehrheitlich illiquide)
Eigenkapitalpolster bei nochmals ein paar Prozenten. Von hundert
Besitzern eines Bankkontos können zwei bis drei sofort ihre Forderungen
tatsächlich einlösen, nach einiger Wartezeit bestenfalls zehn. Das Geld der
Banken ist also ein ziemlich leeres Versprechen – Einlagensicherung hin
oder her. Sie deckt nur knapp fünf Prozent der versicherten Einlagen. Die Pleite
einer mittleren Kantonalbank oder eines vergleichbaren Instituts, und
das Sicherheitsnetz besteht nur noch aus einem einzigen Loch.
Trotz des
ökonomisch unhaltbaren Versprechens der Banken, wird ihr «Geld» auch von
den staatlichen Stellen wie gesetzliches Zahlungsmittel behandelt. Aber
nicht nur das: Sie geben dem Surrogat der Banken sogar den Vorzug
gegenüber dem gesetzlichen Zahlungsmittel, zu dessen Annahme sie
eigentlich jederzeit verpflichtet wären. Versuchen Sie
einmal, Ihre Steuern mit gesetzlichem Zahlungsmittel zu bezahlen! Sie
werden hartnäckig sein und viel Überredungskunst anwenden müssen.
Sobald die Bonität der Banken schwankt, zeigen unsere Bankguthaben ihr
wahres Gesicht, das eines Kredits. Um
ihn zu retten, muss der Staat, d.h. das Kollektiv der Steuerzahler das
unsichere Privatgeld der Banken mit echtem Geld der Nationalbank
unterfüttern. Es
ist nicht mehr unser kollektives Steuergeld, das auf dem Spiel steht,
sondern auch unser privates und das der ganzen Weltwirtschaft. Denn der
Bail-out, die Rettung durch den Staat, wurde weltweit durch den Bail-in,
die Rettung durch die Besitzer und die Kontoinhaber, ersetzt
Die Negativzinsen, wie sie die Nationalbank und andere
Zentralbanken bereits anwenden, sind dabei noch eine relativ harmlose,
auf längere Sicht aber einschneidende Form. Insbesondere die
Rentenversprechen sind gefährdet. Damit Negativzinsen auf breiter Front
eingeführt werden können – und sie sind zur Entschuldung dringend
notwendig –, muss zuerst das Bargeld abgeschafft werden. Denn wer sein
schrumpfendes Bankguthaben als Bargeld vor der Entwertung retten kann,
wird es auch tun. Das ist der
tiefere Grund, warum seit einigen Jahren gezielt an der Abschaffung des
Bargeldes gearbeitet wird – mit zweifelhaften Argumenten.
Vor allem ist die Bargeldabschaffung Vorstufe und
Voraussetzung für die viel gravierende Enteignung, die vom Int.
Währungsfonds (IWF) und selbst der konservativen Deutschen Bundesbank
offen befürwortet wird: die sogenannte Vermögensabgabe. Mit einer
zehnprozentigen Reduktion der Bankguthaben kämen in der Eurozone 3853
Mrd. zusammen; die Schuldenquote der Staaten würde auf 55 Prozent
sinken, knapp unter die Grenze von 60 Prozent, die der Vertrag von
Maastricht für das Funktionieren des Euro bestimmte.
Aber selbst
eine solch einschneidende Massnahme wäre nur eine vorläufige «Lösung».
Denn in unserem System wachsen die Schulden ständig schneller als die
Geldmenge.
Wenn wir etwas leisten, erhalten wir dafür ein Recht auf
Gegenleistung in Form von Geld, das wir bei Bedarf oder passender
Gelegenheit wieder in eine entsprechende realwirtschaftliche
Gegenleistung tauschen können (sollten). Wenn sich die
Geldmenge in der Zwischenzeit ohne parallele Steigerung der
Wirtschaftsleistung erhöht, dann vermindert sich unser rechtmässiger
Anspruch. Die autonome
Geldschöpfung durch die privaten Banken greift damit tief in die
Eigentumsrechte ein und gefährdet, was die Banken zu verteidigen
vorgeben: die liberale Gesellschaftsordnung.
Um die Entzauberung hinauszuschieben, hat die Ökonomie ein
Allerweltsheilmittel: Wachstum. Aber es macht uns krank. Weil die
Banken, die rund 90 Prozent des Geldes schöpfen, ständig mehr verlangen
als sie geben, ist nie genug Geld zur Bezahlung der Schulden da, selbst
wenn alle Matratzen gewendet und sämtliche Konten geräumt würden. Sie müssen
deshalb ständig neues Geld in Umlauf bringen – über Kredite an Staaten,
Firmen und Private. Sie haben gar keine andere Wahl. Täten sie es
nicht, gingen die Kreditnehmer pleite und das Spiel wäre aus, bevor es
richtig begonnen hat. Es ist im Grund ein Kettenbrief: Das Spiel wird
verlängert, indem das uneinlösbare Versprechen vergrössert wird.
Solange die
Teilnehmer daran glauben, gibt es immer ein paar Gewinner. Am Schluss
aber verliert die grosse Mehrheit.
Damit die
Kreditkette nicht reisst, müssen also immer neue und grössere Darlehen
gesprochen werden. Und damit sich Kredite rechtfertigen lassen, braucht
es Wachstum. Denn in einer
stabilen Wirtschaft – von einer schrumpfenden gar nicht zu sprechen –
lässt sich der Mehrertrag gar nicht erwirtschaften, den es zur Bedienung
der Kredite braucht. Deshalb sind wir süchtig nach Wachstum. Mit endlichen
Grenzen kommt unser Geldsystem mit seiner unendlichen Wachstumsdynamik
nicht zurecht. Weil in einer endlichen Welt nicht unendlich Substanz
geschaffen werden kann, verlagert sich die Produktion von der
Befriedigung natürlicher Bedürfnisse zunehmend in Dinge, für die zuerst
mit viel Marketinggeld eine Nachfrage herbeigezaubert werden muss und in
Güter, die allein der Befriedigung emotionaler Bedürfnisse oder der
Demonstration des sozialen Status dienen. Wer hier
ernsthaft von der Befriedigung von Bedürfnissen spricht, kann nur die
Gier des sich selbst vermehrenden Schuldgeldes meinen. Der Mensch im
Kapitalismus produziert und konsumiert nicht derart masslos, weil er
will, sondern weil er muss. Dabei bekommt
uns der Überfluss gar nicht. Gemäss dem US-Neurowissenschaftler Peter
Whybrow hat sich das menschliche Gehirn in einer von Kargheit geprägten
Umgebung entwickelt und ist gar nicht für eine Welt des extremen
Überflusses vorgesehen. Die
Konsequenz: «Wir haben eine physiologische Funktionsstörung erzeugt. Wir
haben die Fähigkeit zur Selbstregulierung auf allen gesellschaftlichen
Ebenen verloren.» (Peter Whybrow: Wenn mehr nicht genug ist – Analyse
einer gierigen Gesellschaft, 2007)
Es ist
volkswirtschaftlich billiger, für Arbeitsgesundheit zu sorgen, als die
ausgebrannten Hamsterradfahrer in den Burnout-Kliniken,
Invalidenversicherungen und Arbeitslosenkassen über die Runden zu
bringen. Es kostet auch weniger, jetzt keine Atomkraftwerke zu bauen,
als sie später teuer entsorgen zu müssen. Da sich das
System mit exponentieller Dynamik entwickelt, fördert es nicht nur die
Gier, sondern braucht sie früher oder später zu seinem Überleben: Ohne Gier an
der Spitze (bei den Vermögenden und ihren Handlangern, den Managern) und
ohne Gier an der Basis (bei den Konsumierenden) würde unser
Geldsystem zusammenbrechen. Da scheint die Gier die sicherere Option.
Je mehr
Produkte wir bereits haben, desto weniger nützlich sind sie, desto
geringer ist ihre Wirtschaftlichkeit und desto kleiner die
Wahrscheinlichkeit, dass sich damit noch die Erträge erwirtschaften
lassen, die zur Rückzahlung von Kredit und Zinsen erforderlich sind. Als
Konsequenz braucht es weniger Kredit, auf dessen Wachstum unser
Geldsystem aber existentiell angewiesen ist. Die Magier
des Geldes hätten allerdings ihren Beruf verfehlt, wenn sie nicht auch
für dieses Problem eine magische Lösung gefunden hätten: Transaktion
ohne Produktion. Anstatt in
die Realwirtschaft, wo man mit Schweiss und Risiko um den Erfolg der
Investition kämpfen muss, fliessen die Kredite in Wertpapiere. Durch die
Erhöhung der Geldmenge steigt ihr Buchwert (aber nicht die
Wertschöpfung!) und sie können mit Gewinn verkauft werden. Der Trick
besteht darin, der Geldpumpe stets ein bisschen Vorsprung zu
verschaffen, sodass zum Verkaufszeitpunkt des Wertpapiers immer ein
bisschen mehr Geld im Pool ist als zum Zeitpunkt seines Kaufs – das
beste Klima für steigende Preise. Das Resultat:
Mehr Geld, weniger Risiko und vor allem keine Arbeit für den Investor
Ein Rechenbeispiel: Wenn Sie sich für
100 Franken ein Wertpapier kaufen, das pro Jahr 10 Franken abwirft,
haben Sie eine Rendite von 10 Prozent. Wenn Sie die
100 Franken als Sicherheit für einen Kredit über 500 Franken
hinterlegen, dafür 5 Prozent Zins bezahlen (= 25 Franken) und damit
Wertpapiere kaufen, ergibt dies einen Ertrag von brutto 50 und netto 25
Franken – eine Gewinnsteigerung von 150 Prozent.
Wenn
allerdings der Wert der Papiere um zehn Prozent sinkt, ist die Hälfte
des Kapitals schon weg. Dieses
Beispiel ist noch vergleichsweise harmlos. Während hier
das Investitionskapital per Kredit verfünffacht wurde, wird es in der
real existierenden Finanzwirtschaft verfünfzigfacht. Anstatt bloss 10
Prozent lässt sich damit ein Gewinn von 250 Prozent des eingesetzten
Kapitals erzielen, der sich im Grunde aus dem für das Geschäft
geschöpften Kre dit finanziert, also gewissermassen aus Nichts. Umgekehrt ist
auch die Verlustgefahr um Potenzen grösser. Deshalb zitttern die Banken
um jede Kommastelle Wachstum-
Rund drei
Viertel des neuen Geldes – bei einigen Banken sind es über 90 Prozent –
fliessen direkt in Staatsanleihen, Aktien, Derivate und andere
Anlagewerte wie Immobilien. Das
zusätzliche Geld in diesen Märkten lässt die Preise steigen, die
Investoren fühlen sich reicher; aber geändert haben sich vor allem die
Preisschilder. Das ist Wachstum ohne Wachstum.
Dem
«Wachstum» der Finanzbranche steht allerdings eine Schrumpfung der
Realwirtschaft gegenüber. Sie kann mit den Geld verstehen! Profitraten
in der virtuellen Wirtschaft nicht mithalten. Lohndruck,
Qualitätsminderung, Auslagerung in Billiglohnländer und noch perfektere
Ausbeutung der Ressourcen sind die Folge. Heute hat die
Hälfte der Firmenschulden also nur dann eine Chance auf Rückzahlung,
wenn die Wirtschaft weiter wächst, und das versucht sie seit bald zehn
Jahren – bestenfalls mit virtuellem Erfolg. Da der
Grossteil der Wertpapiere nicht an Börsen gehandelt wird, ist der
Verdacht begründet, dass sie enorm überbewertet sind und bei einem
Verkauf niemals den Preis erreichen, zu denen sie in den Büchern geführt
werden. Staaten sind
nicht weniger innovativ im Verstecken von Schulden. Auch sie lagern
Verpflichtungen in Spezialgesellschaften ausserhalb des Haushalts aus. Wegen ihrer
Grösse besonders geeignet, bewusst «vergessen» zu werden, sind die
Rentenverpflichtungen.
Insgesamt
zeichnen die Bilanzen von Staaten und Unternehmen damit ein komplett
verzerrtes Bild ihres wahren Zustandes. Die Blindheit
verhindert natürlich auch echte Lösungen. So werden u.a. Schulden mit
noch mehr Schulden «bezahlt».
Die wachsende
Lücke zwischen Schulden und Geldmitteln zwingt das Bankensystem zu
kontinuierlichem Kreditwachstum. Da dies in der realen Welt nicht
durchzuhalten ist, fliesst ein immer grösserer Anteil der neuen Gelder
direkt in die Finanzwirtschaft – zum Nachteil der Realwirtschaft, die
mit den Profitraten der spekulativen Geschäfte nicht mithalten kann.
Neues Geld
ist immer Kredit, und das Geld für den Zins fehlt im System
Was 1913 100 Dollar kostete, war im Jahr 2000
1740 Dollar teuer, eine Inflationsrate
von 1640 Prozent. Beim
Schweizer Franken lag sie zwischen 1915 und 2000 bei 750 Prozent und bei der
D-Mark, der ehemals härtesten Währung der Welt, zwischen 1948 und 2000
bei immerhin 200 Prozent.
Wenn die
Schulden ständig steigen, müssen die Geldmengen wachsen, sonst geraten
die Bilanzen der hochverschuldeten Staaten und Firmen aus dem
Gleichgewicht. Das Mittel dazu sind sinkende Zinsen, wenn nötig auch
unter Null. Waren vor
Ausbruch der Finanzkrise die Banken die Hauptakteure im Spiel der
Geldvermehrung – bis sie ohne Rettung daran zugrunde gegangen wären –
sind es heute die Zentralbanken, die unter dem Begriff quantitative
easing (quantitative Erleichterung) den Banken enorme Mengen von
Reserven zum Nulltarif zur Verfügung stellen. Die EZB gewährt den Banken
einerseits riesige Kredite, praktisch zum Nullzins und kauft ihnen
andrerseits Staatsanleihen und Firmenanleihen mit neu geschöpftem Geld
ab. Die Folge:
Anstatt dass die Geldhäuser ihre schlechten Papiere abschreiben müssen,
werden sie in einer gigantischen Blase aus Luftgeld in die Höhe
getrieben. Das neue Geld
erreicht die Realwirtschaft nicht, sondern fliesst praktisch zur Gänze
in die Finanzwirtschaft. Es macht
nicht nur die Reichen reicher, sondern staut sich auch in Papierwerten,
die irgendeinmal in reale Werte getauscht werden müssen.
Sobald die
Anleger merken, dass dies schwierig sein wird, wird ein inflationärer
Tsunami die Welt überrollen und unsere Altersguthaben vernichten. Weil die
Lücke zwischen Geldmenge und Geldschulden mit exponentieller Dynamik
wächst, muss auch die Geldschöpfung ständig beschleunigt werden, was die
Sparguthaben schrumpfen, die Kreditwürdigen reicher – und die Lücke noch
grösser werden lässt. Die
wichtigste Ursache von Kriegen, das zeigt die Geschichtsforschung, sind
übergrosse Unterschiede zwischen reich und arm. Hier spielt unser
Geldsystem eine entscheidende, wenn auch bestens versteckte Rolle. Das Geld
kommt als Kredit auf die Welt; der Zins lebt in ihm fort und wird
bezahlt, wann immer wir Geld verwenden, nicht nur wenn wir persönlich
Schuldner sind. Er ist
gewissermassen die Steuer dafür, dass es das Geld der Banken überhaupt
gibt; er versteckt sich in den Preisen der Güter und Dienstleistungen. Bei der
Müllabfuhr sind es 18, beim Bier 38 und bei den Mieten im sozialen
Wohnungsbau sind es 77 Prozent. Im Durchschnitt sind es 30 bis 35
Prozent.
Mit einem
zinsfreien Geld könnten wir mit einem Drittel weniger Arbeit in etwa
denselben Lebensstandard geniessen.
Wird die
Verschwendung (z.B. unnötige Produkte, Abfall, Boni), der Verlust (u.a.
Stress, Krankheit, Versicherungskosten) und der Schaden dieses Systems
(Umweltzerstörung, Militärausgaben, Krieg) mit nochmals einem Drittel
veranschlagt, wird das enorme Potenzial der Geldreform erkennbar. Mit einem
Drittel des heutigen Aufwandes könnten wir ein besseres Leben geniessen.
Um die Frage
zu beantworten, ob der Zins für uns profitabel ist oder nicht, müssen
wir nur die Zinskosten im Umfang von einem Drittel unserer
Haushaltauslagen von den Zinseinnahmen abziehen, die wir Ende Jahr
verbuchen. Beispiel:
Wenn Sie 60000 ausgeben und ein Vermögen von 200000 besitzen, für das
Sie 2 Prozent erhalten, bezahlen Sie 20000 versteckten und beziehen 4000
offenen Zins. Saldo: minus 16000 ! Nur die
reichsten rund zwölf Prozent der Bevölkerung mit einem Vermögen von
mindestens zwei Millionen Franken verzeichnen einen positiven Zinssaldo,
alle anderen zahlen mehr Zins als sie einnehmen. Die
Kapitalrendite liegt konstant ein bis drei Prozentpunkte über dem
Wirtschaftswachstum. Die Vermögen steigen also im Vergleich zum
Bruttoinlandprodukt, aus dem sie ihre Rendite erzielen, stetig an. Das ist ein
Problem, selbst bei wertfreier Betrachtung dieser Umverteilung. Je
grösser nämlich die Vermögen sind, desto mehr Druck müssen sie zur
Erzielung einer Rendite ausüben.
Die Rendite und der damit verbundene Druck sind stärker. Sie
sind für die Erhaltung des Kreditgeldes und der Besitzverhältnisse
essentiell. Sind die Renditen zu klein, werden keine Kredite mehr
aufgenommen; die Kreditkette reisst, das Kartenhaus fällt und die
Geldvermögen werden vernichtet. Das ist eine Sackgasse ohne Notausgang,
und wir nähern uns unaufhaltsam ihrem Ende.
Der
Sieg des Geldes ist die Niederlage der Menschheit und der Tod des freien
Menschen.
> VOLLGELD Wenn die
Wirtschaft wächst, kann die Zentralbank als staatliches Organ die
entsprechende Geldmenge schuld- und zinsfrei in Umlauf bringen, ohne das
System in Schieflage zu bringen. Wenn die Wertschöpfung z.B. um zwei
Prozent zunimmt, kann auch die Geldmenge um zwei Prozent wachsen.
Die Vollgeld-Initiative sieht vor, dass nur noch die
Nationalbank Geld schöpfen kann und die Banken nur noch Kredite mit Geld
vergeben können, das sie tatsächlich haben. Die Banken würden nach einer
Vollgeld-Reform genau so arbeiten, wie die meisten Menschen denken, sie
würden es jetzt schon tun: Geld der Sparer einsammeln und als Kredite
weiterreichen Die
Vollgeld-Reform, wie sie in den 1990er Jahren
von den Ökonomen Joseph Huber aus Deutschland und James
Robertson aus Grossbritannien entworfen wurde, geht noch einen Schritt
weiter. Sie versteht
die Geldschöpfung als Akt des Souveräns, was es vor der Einführung des
privaten Bankengeldes immer gewesen war. Nur ist heute der Souverän
nicht mehr ein Fürst, sondern wir alle als demokratisch organisierter
Staat. Wir alle sind
Geldschöpfer, indem wir Leistungen erbringen und damit ein Recht auf
Gegenleistung schaffen, das sich in Form von Geld manifestiert. Der Nutzen
aus dem Wirtschaftswachstum soll deshalb auch dem Kollektiv zugute
kommen. Diese Form
der Geldschöpfung erzeugt keinen Mehrwert – das kann Gelddrucken nie. Aber sie
verteilt die Kaufkraft an dem von der Allgemeinheit erzielten Mehrwert
auf gerechte Art und Weise.
Die
Vollgeld-Schöpfung schmälert im Übrigen nicht den Gewinn der Unternehmen
und all der Wirtschaftssubjekte, die durch ihre Leistung besonders zur
Erhöhung des Mehrwerts beigetragen haben, sondern bloss den Gewinn der
privaten Banken, die das Geldschöpfungsprivileg usurpiert haben. Je grösser
der demokratische Einfluss, desto gesünder ist ein öffentlicher
Haushalt. Die Angst vor
dem mündigen Volk entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage und ist
nicht mehr als ein Vorwand für die Einschränkung demokratischer Rechte.
Der
Nutzen einer Vollgeld-Reform ist enorm. Mit ihr
verwandeln sich unsere Bankguthaben von einem Kredit an die Bank in
echtes Geld, das von der Nationalbank garantiert und von der
Wertschöpfung der gesamten Volkswirtschaft gestützt wird. Das Geld auf
unseren Konten ist nicht mehr Teil der Bilanz der Banken und von ihrer
Bonität abhängig, sondern so pleitesicher wie Bargeld.
Auf der
anderen Seite verwandeln sich die Schulden der Banken an uns, nämlich
unsere Guthaben auf ihren Konten, in Schulden der Banken an die
Nationalbank. Wenn also Bankkredite zurückbezahlt werden, fliesst ein
wesentlicher Teil davon als Tilgung an die Nationalbank. Mit diesem
Geld könnte sich der Staat im Verlauf von zwei bis drei Jahrzehnten
komplett entschulden. Eine solche
Entschuldung durch die Vollgeld-Reform wäre neben der Schweiz noch in
einigen anderen Ländern möglich, allerdings nicht in allen. Das
Geldproblem ist vermutlich zu gross für eine einzige Lösung. Aber ohne
Vollgeld-Reform taugen alle anderen nichts . |
![]() Pfluger / GELD VERSTEHEN ![]() |
hier: VOLLGELD |
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Josef Huber /
Das heutige Geldsystem
mit gesplittetem Kreislauf von Reserven und
Giralgeld mit gesplittetem Kreislauf |