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... Auszüge:

Geld als öffentliches Gut meint, dass a) Geld konsequent als Mittel
betrachtet wird, b) dem Gemeinwohl dient und c) die Regeln für das Geldsystem auf demokratische
Weise zustande kommen. Der wichtigste Reformvorschlag ist deshalb die Organisierung von
dezentralen Geldkonventen, über welche die zukünftige Geld- und Finanzordnung demokratisch
entwickelt und entschieden wird.
...

1. Die Zentralbank wird zur alleinigen Ausgabeinstanz von Geld. Sie gibt nicht nur Bargeld aus, wie schon heute, sondern auch alles Buchgeld.

Dadurch wird alles zirkulierende Geld (Bargeld und
Geld auf Girokonten) zum gesetzlichen Zahlungsmittel.

Heute ist nur Bargeld gesetzliches
Zahlungsmittel, weil es von der Zentralbank bzw. von den staatlichen Münzprägeanstalten kommt.

Buch- oder Giralgeld wird von den Geschäftsbanken geschöpft und ist deshalb kein gesetzliches
(von der Zentralbank ausgegebenes) Zahlungsmittel.

Das nicht gesetzliche unbare Geld macht im
Euro gegenwärtig 84 Prozent der Geldmenge M1 aus. Gesetzliches (bares) Geld nur rund 16%.




2. Neues (Voll-)Geld kommt grundsätzlich als Auszahlung der Zentralbank an den Staatshaushalt
und nachfolgende Staatsausgaben oder alternativ direkt an die BürgerInnen in Umlauf.

Erst über das
„Publikum“ fließt es zu den Banken und kann dort angelegt werden, was dem Bild von Banken in
der Bevölkerung entspricht: Erst wenn Geld von außen „eingelegt“ wird, kann es von der Bank
verliehen werden.
Heute funktionieren Banken anders: Sie schöpfen Kredite aus dem Nichts
indem sie eine Forderung auf ihrer Aktivseite gegen die KreditnehmerIn hinzubuchen und dieser
einen gleich hohen Betrag auf einem Girokonto (Passivseite) gutschreiben. Sie erschaffen im Zuge
der Kreditvergabe neues Geld – sie sind moderne Alchimisten.
3. Girokonten werden aus den Bankbilanzen ausgegliedert.

Sie sind Konten für elektronische
Zahlungsmittel, die nach der Reform aus KundInnensicht gleich funktionieren wie Girokonten
heute: Sie werden von der Bank gegen Gebühren verwaltet, und die BankkundInnen können via
Online-Banking über sie verfügen.

Im Unterschied zu heute sind sie aber auch BesitzerInnen des
Geldes auf ihren Girokonten.

Heute besitzt die Bank den Inhalt eines Girokontos, weil es sich
rechtlich und bilanziell um einen Kredit der KundIn an die Bank handelt: KontoinhaberInnen sind
GläubigerInnen von Banken. Deshalb wird der Inhalt eines Girokontos oft (minimal) verzinst, und
er ist im Fall eines Bankrotts ausfallgefährdet. Diese Unsicherheit von Geld auf Girokonten führt
bis heute immer wieder zu Bankruns.

Nach einer Vollgeld-Reform wären die Girokonten nicht mehr
im Besitz der Bank und somit nicht Teil der Insolvenzmasse und nicht mehr ausfallgefährdet.
„Bank-Überweisungen finden direkt von Vollgeld-Konto zu Vollgeld-Konto statt.


4. Erst wenn BankkundInnen ihr „eingelegtes“ Geld bewusst „anlegen“, z. B. auf ein Sparbuch oder ein befristetes Sparkonto, wandert das Geld rechtlich „zur Bank“,

d. h. die KundIn gibt der Bank
einen Kredit, und Vollgeld in der Höhe des Kredits geht in die Bankbilanz ein: auf der Passivseite
als Verbindlichkeit gegenüber der KreditgeberIn (= BankkundIn) und auf der Aktivseite als
Vollgeld, das nun für die Kreditvergabe zur Verfügung steht.
Erst muss das Geld „von außen“
hereinkommen, bevor die Bank (Voll-)Geld für die Kreditvergabe zur Verfügung hat. Die Bilanz der
Bank wird durch diesen Akt der „Anlage“ (ein Kredit an die Bank) verlängert, der Vollgeldbestand
im „Publikum“ in gleicher Höhe verringert: die umlaufende Geldmenge bleibt gleich.


5. Bei einer Kreditvergabe durch die Bank vollzieht sich in ihrer Bilanz lediglich ein Aktivtausch:
Das Vollgeld wird „ausgeschüttet“ auf das Vollgeld-Konto der KreditnehmerIn und in eine
Forderung gegen dieselbe umgebucht.

Diese Forderung kann nun nicht mehr „vergeben“ werden.
Vollgeld kann von einer Bank nur einmal verliehen werden, und es muss zuerst zu dieser getragen
werden.
Die Kreditvergabe durch Banken würde so funktionieren, wie sich das heute die meisten
Menschen vorstellen: Erst muss Geld zur Bank gebracht werden, erst dann sind Kredite möglich.


6. Laut McKinsey Global Institute
beläuft sich der gemeinsame Kreditbedarf von Unternehmen und
Haushalten in Deutschland auf 109% vom BIP,
laut BIZ auf 164%
. Die privaten Finanzvermögen
betragen in Deutschland laut Statista 175% vom BIP und übersteigen damit den volkswirtschaft-
lichen Kreditbedarf nach beiden Berechnungen.

Somit kann in „reifen“ Volkswirtschaften der
Kreditbedarf aus den Sparanlagen gedeckt werden.
Sollten die Sparanlagen nicht ausreichen, um
den realen Kreditbedarf zu decken, kann die Zentralbank auch in einem Vollgeld-Regime jederzeit
zusätzliche Kredite an die Geschäftsbanken vergeben: gleich wie heute.



7. Das Halten von „Reserven“ (Zentralbankgeld) erübrigt sich,
weil alles Geld Zentralbankgeld ist.
Die Mindestreserve entfällt.
Eine Hundert-Prozent-Reserve – die Deckung aller Girokontobestände
mit Zentralbank-Geld – erübrigt sich aus demselben Grund.
Aus zwei Geldkreisläufen wird ein einziger mit nur einer Sorte Geld.

Heute ist der Geldkreislauf zwischen der Zentralbank und den
Geschäftsbanken von dem zwischen den Geschäftsbanken und dem Publikum vollständig getrennt.
Das ist der Grund, warum elektronisches Geld der Zentralbank nie beim Publikum ankommt und
alles Buchgeld, das wir für Zahlungen verwenden, von den Geschäftsbanken geschöpft wurde.
Dieser doppelte Geldkreislauf sowie das „Interbankengeld“, das als drittes hinzukommt, erschweren
das Verständnis des aktuellen Systems.



8. Die Umstellung vom privaten Giral- zum gesetzlichen Vollgeld geht in mehreren Phasen vor sich.

Schritt eins ist die Ausgliederung sämtlicher Girokontobestände auf die Vollgeld-Konten im
Publikum. Sie sind ab nun Vollgeld.

Die bisherigen Girokonto-Bestände auf den Passivseiten der
Bankbilanzen werden umgebucht in Verbindlichkeiten gegenüber der Zentralbank (Passivtausch).
Die Zentralbank-Bilanz verlängert sich um die Summe aller Girokonto-Bestände. Auf der Aktivseite
spiegeln ihre Forderungen gegen die Geschäftsbanken deren neue Verbindlichkeiten gegenüber der
Zentralbank.
Auf der Passivseite steht sie für die Vollgeldkonten im Besitz des Publikums gerade,
die von der Zentralbank ausgegebenes gesetzliches Zahlungsmittel sind.

Schritt zwei: In dem Maße, in dem „alte“ Kredite in der Höhe des Giralgeldbestandes bei den
Geschäftsbanken getilgt werden, fließt den Banken Vollgeld zu:

Auf ihren Aktivseiten werden Forderungen gegen KreditkundInnen in Vollgeld = Forderungen gegen die Zentralbank getauscht.
Zahlen die Banken das Vollgeld an die Zentralbank zurück (was die Zentralbank erwirken könnte),
können sie ihre Forderungen und Verbindlichkeiten mit der Zentralbank saldieren und streichen:

Die Bilanzen der Geschäftsbanken verkürzen sich so im Laufe von bis zu 20 Jahren im Ausmaß der
ehemaligen Girokontobestände.
Analog verkürzt sich die Bilanz der Zentralbank um den gleichen Betrag - wie bei einer Kredittilgung.

Systemisch käme es so zu einer Verringerung der Geldmenge
im Ausmaß der zum Umstellungszeitpunkt in Umlauf befindlichen Giralgeldmenge.



9. Die Zentralbank kann jedoch von der Möglichkeit Gebrauch machen, im gleichen Ausmaß, in
dem Ex-Giralgeld (nunmehr in Vollgeld umgebucht) ausgeschleust und gelöscht wird, gleichzeitig
neues Vollgeld in Umlauf zu bringen, wodurch die Geldmenge konstant gehalten oder gezielt
verringert werden könnte (letzteres, falls die Annahme bestünde, dass sie gegenwärtig aufgebläht
ist).

Das frisch geschöpfte Vollgeld kann in den Staatshaushalt fließen und zum Abbau der
Staatsschulden verwendet werden.
Da die Giralgeldmenge rund 50% des BIP der Eurozone ausmacht, könnten damit die Staatsschulden in der Eurozone halbiert werden: von gegenwärtig knapp 100% auf Maastricht-konforme 50% des BIP.

Es handelt sich näherungsweise um den
akkumulierten Geldschöpfungsgewinn, auf den die Allgemeinheit in den letzten Jahrzehnten
verzichtet hat, indem sie die Geldschöpfung den privaten Banken überlassen hat.




10. Neues Vollgeld wird in Umlauf gebracht, indem es von der Demokratischen Zentralbank aus
dem Nichts geschöpft und dem Staat ausbezahlt wird – als Geschenk des Souveräns an sich selbst.
Ein möglicher Weg ist der direkte Fluss in den Staatshaushalt zur
a) Tilgung von Staatsschulden,
b) Finanzierung öffentlicher Leistungen,
 c) Senkung von Steuern oder
d) die Ausschüttung einer BürgerInnen-Dividende.
Über die Verwendung
entscheidet nicht die Zentralbank („Monetative“, s. u.), sondern der Souverän und seine Vertretung.

Die Geldmenge könnte in einer stabilen Relation zur Wirtschaftsleistung gehalten werden,
zum Beispiel 60% des BIP (die gegenwärtige Summe aus Bargeld und Girokontoguthaben „M1“).

Jährlich wird die Geldmenge im prognostizierten Ausmaß der BIP-Entwicklung erhöht oder verringert (Grobsteuerung).
Sollte sich erweisen, dass eine andere Geldmenge passender ist, kann sie im Rahmen klarer Zielvorgaben jederzeit mit den Instrumenten der Geldpolitik ausgeweitet oder kontrahiert werden (Feinsteuerung).



weiteres direkt:
II. Vorteile einer Vollgeld-Reform
1. Geld wird ein öffentliches Gut

2. Trennung von Geld und Kredit

3. Gewaltentrennung

4. Ein Geldkreislauf und eine Geldmenge M

5. Schrumpfung des Interbankenmarktes

6. Eigenhandel: Spekulationsmöglichkeiten der Banken stark eingeschränkt

7. Vielfache Vereinfachung

8. Zentralbank kann die Geldmenge steuern

9. Antizyklische Geldpolitik = Konjunkturpolitik möglich



10. Der Geldschöpfungsgewinn kommt der Allgemeinheit zugute

11. Geldkonten sind sicher und benötigen keine Einlagensicherung

12. Positive Auswirkung auf die Staatsfinanzen




III. Häufige Einwände gegen die Vollgeld-Reform
1. „Die Verstaatlichung der Banken ist der falsche Weg“
2. Das Ziel, die Geldmenge zu kontrollieren, ist Monetarismus, und der ist gescheitert
3. „Auch eine denkbar gut und
unabhängig ausgestattete Monetative kann in ihrem Urteil irren.“
4. Die Spargelder reichen nicht aus, um die volkswirtschaftliche Kreditnachfrage zu befriedigen
5. Es gibt auch andere Wege, die Finanzmärkte zu bändigen
6. Die Folgen der Umstellung sind unabsehbar

Eine ausführlichere wissenschaftliche Behandlung von häufigen Kritikpunkten findet sich hier: